1. Name, Künstlername
Maja Ilisch (Thesilée, aber nur, wenn ich Musik mache). Im Forum einfach nur Maja

2. Wann und wo wurdest du geboren?
23. April 1975 in Dortmund (vier Wochen zu früh, aber dafür am gleichen Tag wie Shakespeare)

3. Wo wohnst du, und was ist dein sterblicher Beruf?
Ich wohne in Billerbeck, Münsterland, und bin arbeitslose Buchhändlerin - leider ein sehr unsterblicher Beruf... Arbeitslose Bibiothekarin bin ich auch noch. Und würde mich freuen, wenn sich mit Webdesign Geld verdienen ließe. Oder mit Büchern, was das angeht.

4. Vollendete Werke, mit Jahres- (und ggf. Verlags-) Angabe
kürzere Geschichten:
Marlowe, Lime und Co. (Kriminalparodie, 1990) 
Der Löwe von Aleppo (Kriminalparodie, 1991)
Der Intrigant (Novelle, 1991)
Marlowe, Lime und CO2 (Kriminalparodie, 1991)
Lonnie lebt und Lennie lobt (Groteske, 1992)
Hölle - Alles Inklusive (Satire, 1993)
Kein Alarm im Weltall (Science-Fiction-Parodie, 1997)
Romane:
Eine Flöte aus Eis (Fantasy, 1996-1997)
Engelsschatten (Fantasy, 2000) 
Die Spinnweb-Stadt (Fantasy, 1997-2003)
Schwanenkind (Fantasy, 2000-2004)
Der Schattenstein (Jugendfantasy, 2006)

5. Seit wann schreibst du?
Seit ungefähr fünfundzwanzig Jahren. Als ich in die Schule kam, hatte ich eine erbärmlich schlechte Schreibmotorik, und meine Mutter schrieb mit mir Geschichten, weil ich es zu langweilig fand, ganze Seiten mit A's und E's  vollzumalen. Das hat sich dann irgendwie verselbständigt.

6. Warum schreibst du?
Ja. Weil es Spaß macht? Weil ich die Anlagen dazu habe? Weil ich keine echte Alternative kenne? Ich sage immer: Weil Drogen zu teuer sind.

7. Wer soll deine Geschichten lesen, und warum?
Soll ich ehrlich sein? Ich schreibe vor allem für mich selbst. Wenn die Sachen mir gefallen, ist das schon mal die halbe Miete, denn ich finde zur Zeit wenig Texte, an denen meine Augen lang genug hängen bleiben, auch wenn ich weiß, daß sie gut sind. Also schreibe ich viel für mich selbst.
Ansonsten für Jugendliche und junge Erwachsene, wobei aber auch meine Mutter zu meinen liebsten Lesern gehört, weil sie sehr ehrlich mit den Texten umgeht und außerdem tolle Illustrationen macht.

8. Weiß deine Umgebung, daß du Fantasy schreibst? Soll sie es wissen?
Nun gut, ich schreibe es nicht in meinen Lebenslauf, wenn ich mich bewerben gehe. Und wenn man mich nach Hobbies fragt, erzähle ich auch lieber erst mal vom Musikmachen, das ist immer noch 'normaler'. Aber alle meine Bekannten wissen es (oder könnten es wissen, wenn sie denn zuhörten), und was die Bewerbungen angeht - wer bei Google "Maja Ilisch" eingibt, weiß schnell, was ich noch alles so mache. Es ist also kein Geheimnis. Ich bin nur einmal zu oft deswegen verhöhnt worden. Das merkt man sich.

9. Dürfen andere an deinen Geschichten herumkritteln? Zwingst du sie dazu?
Ja, und ja. Ich frage meine Leser endlos aus, welche Figuren sie mögen und welche nicht, um daraus zu erkennen, wie sich mich sehen (denn ich weiß ja, wer welche Eigenschaften von mir geerbt hat). Reine Selbsterkenntnis auf Kosten anderer. Ich habe ein gutes Halbdutzend Opfer, die regelmäßig meine neusten Ergüsse vorgelegt bekommen.

10. Hast du eine Muse, und wie verhält sie sich?
Ich habe vier allzu menschliche Musen, Personen, an denen mein Herz hängt - Christoph, Monica, ZOE und Andrea - und eine metaphysiche Muse, die sich bemerkbar macht, indem sie kleine Stücke aus meinem Herz beißt, darauf herumkaut und rülpst. Ich kann sie nicht sehen, aber sie tut mir weh. Sie zwingt mich, wie ein aufgeschrecktes Huhn durch die Wohnung zu laufen und zu quietschen. Trotzdem ist es gut, sie zu haben. Ich brauche jemanden, der mich unter Druck setzt - sonst kann ich nicht arbeiten.

11. Brauchst du Rituale zum Schreiben?
Ich habe für jedes Buch einen eigenen Collegeblock, aus dem niemals Seiten gerissen werden dürfen, und meistens schleppe ich drei bis fünf von diesen Blöcken mit mir herum. Ich verwende nur schwarze Tinte, und wenn ich einen bestimmten Füller nicht dabei habe, bin ich aufgeschmissen. Aber dafür kann ich schreiben, wo auch immer ich gerade bin. Vorzugsweise in Eisenbahnzügen, Straßenbahnen, und im Urlaub auch auf Parkbänken.

12. Strebst du nach Reichtum und Ruhm?
Ja. Etwas anderes bleibt mir zur Zeit auch nicht übrig. Aber wenn ich mir ansehe, was aus Ms. Rowling geworden ist, möchte ich doch lieber nicht ganz so berühmt werden, und auch nicht ganz so reich.

13. Welchen Preis bist du bereit zu zahlen?
Ich habe ihn bereits gezahlt: Meine Seele. Aber dazu möchte ich aus dem Lied Chickasaw Mountain von Leslie Fish zitieren: Name your goal / she won't take your soul / she might even give you her own - / and maybe you'd be better of alone ...
Der Preis ist die Seele? Ich glaube nicht. Der Preis ist Einsamkeit. Der Preis ist, daß in einem etwas ist, das man nicht wirklich mit anderen teilen kann, etwas, das niemand versteht. Der Preis ist Ausgelachtwerden, und viele Tränen, und Anderssein.
Aber ich habe mir noch nie gewünscht, ihn nicht gezahlt zu haben.

14. An wievielen Geschichten arbeitest du gleichzeitig?
Richtig aktiv zur Zeit nur an dreien, aber ich habe noch ein Halbdutzend Fragmente in der Schublade, an denen ich endlich weiterschreiben will.

15. Was ist das beste, was du jemals geschrieben hast?
Vom Stil her gefällt mir »Der Elomaran-Zyklus« am besten, und auch von der Handlung und den Charakteren. Aber »Die Spinnweb-Stadt« ist unkonventioneller und läuft nicht auf endlose Liebes-Szenen hinaus.
Meine persönliche Lieblingsszene ist die Alptraumsequenz aus dem Ersten Kapitel von »Engelsschatten« - ich finde generell, in Traumszenen bin ich besonders gut. Ich mag Surrealistisches.

16. Was ist das Schlechteste?
Ich dachte lange, es wäre »Der Intrigant«, aber wahrscheinlicher ist es »Lonnie lebt und Lennie lobt«, was ich 1992 innerhalb von zehn Tagen runtergeschrieben habe (finden zumindest diejenigen, die beide Geschichten gelesen haben). Ich mußte damals um jeden Preis komisch sein, und das hat mir nicht unbedingt gut getan.
Schlecht sind auch alle meine Versuche, Krimis zu schreiben, bei denen ich dann nach 250 Seiten merkte, daß ich selbst keine Ahnung hatte, wer denn nun der Mörder war. Oder mein allererster Versuch in Fantasy (1993) - allzu sozialkritisch, und auf Seite 60 hatte ich alle Helden im Kerker - bis heute habe ich keine Idee, wie ich sie wieder daraus befreien soll...
Christoph meint, rein objektiv sind meine schlechtesten Geschichte die aus der Zeit, als ich acht Jahre alt war, aber ich verstehe unter einer schlechten Geschichte eine, bei der ich unter meinen Fähigkeiten geblieben bin, bei der ich gefudelt habe und wirklich schlechtes geleistet - und »Zirkus in der Stadt« ist nicht schlecht. Für eine Achtjährige.

17. Welche historische Epoche, welches Volk fasziniert dich besonders?
Die Bronze- und Eisenzeit, das Frühmittelalter und die industrielle Revolution. Grundsätzlich die Geschichte Englands mehr als die deutsche - dort insbesondere die Renaissance (Richard der Dritte bis Elisabeth die Zweite)
An Völkern die Süd- und mittelamerikanischen Hochkulturen (Azteken, Moché, Olmeken), und die Khmer in Kambodscha - Völker, die ausgestorben sind und faszinierende Spuren hinterlassen haben

18. Welcher Ort, an dem du noch niemals warst, inspiriert dich?
Die Tempel- und Ruinenstadt Angkor in Kambodscha

19. Welcher Urlaubsort verpaßt dir die besten Ideen?
Die ländlichen Gegenden Großbritanniens, vor allem Wales und Cornwall, und jede Form von Küste. An Städten vor allem Berlin.

20. Welche Fremdsprache würdest du gerne beherrschen?
Cymraeg (Walisisch), Schwedisch, Althochdeutsch und Latein.

21. Hast du Vorbilder als Autor?
Ich bewundere Charles Dickens und Fjodor M. Dostojewskij. Als Fantasyautoren: Terry Pratchett, Geraldine Harris, David Eddings, Roger Taylor und Peter S. Beagle. Aber ich habe aufgegeben, ihnen nacheifern zu wollen. Mein eigener Stil ist mir wichtiger, und manchmal gefällt er mir auch deutlich besser...

22. Hast du Vorbilder als Mensch?
Meine Großtante Gretel Knüppel, die leider 1998 gestorben ist - sie war eine wunderbare, eigensinnige Frau, die ihren eigenen Weg gegangen ist, und darüber hinaus eine wunderbare Künstlerin. Außerdem wahrscheinlich auch meine Eltern, auch wenn das natürlich niemand gerne zugibt...

23. Welcher deiner Charaktere hat die größte Macht über dich?
Auch nach zehn Jahren ungebrochen: Morren der Zauberer aus »Eine Flöte aus Eis«. Außerdem Damiander, der Engel des Rausches, Varyns kleiner Bruder Gaven, und Der Lippenlose, ein Gott

24. Kannst du in zwei (oder mehr) Welten gleichzeitig leben?
Deutlich einfacher als nur in einer eigenen. Was würde ich tun, wenn ich allein in meinem Kopf wäre?

25. Was tust du bei einer Schreibblockade?
Gar nichts, das ist ja das Schlimme. Nichts Produktives jedenfalls. Heulen, Zähneknirschen, stundenlang telefonieren, und mir selbst leid tun. Wild durch die Kanäle zappen, ohne wirklich hinzugucken. Eine Flasche Wein aufmachen, und drei Viertel davon eine Woche später wegkippen, weil ich ihn dann doch nicht getrunken habe.
Schreibblockaden bekomme ich immer dann, wenn ich genau weiß, wie die übernächste Szene aussieht, aber nicht, wie ich dahin komme, oder wenn ich nicht weiß, wie ich meine Ideen umsetzen soll, oder wenn sich Charaktere von mir abwenden und trotzen und schmollen - ideenlose Schreibblockaden gibt es bei mir eigentlich nicht. Nur unfähige.

26. Werden dir jemals die Geschichten ausgehen?
Ganz sicher nicht. Eher gehe ich aus. Mir fallen mehr Geschichten und Personen ein, als mir selbst lieb sind, mehr, als ich jemals schreiben kann. Ich müßte unsterblich sein, und selbst dann reicht die Zeit nicht.

27. Magst du das Gefühl, Gott zu sein?
Meistens gibt es kein Besseres. Aber manchmal ist es entsetzlich.