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Sie aßen, dann machten sie es sich im weichen Sand bequem. Shanaro lehnte sich an den Felsen und beobachtet das Leben um ihn herum. Einige Tiere zogen sich mit der nahenden Dunkelheit zurück, andere kamen erst jetzt aus ihren Verstecken hervor. Aus einem Felsloch schlängelte sich ein langgestreckter Körper, ein Maul mit einer Vielzahl nadelspitzer Zähne wurde gähnend aufgerissen. Shanaro zuckte zusammen. Vion grinste.
Das ist eine Muräne, sendete er, das allegorische Tierchen für einen dicken Kopf nach zu viel Wein…
Shanaro grinste. Götter… was für ein hässliches Ding. Und diese Zähne… da sind die Kater, von denen ich sprach, doch deutlich hübscher!
Vion sah ihn an, sein Blick wurde ernst. Hässlich…? Warte es ab. Schönheit ist immer… relativ. Schau sie dir noch einmal an, wenn sie schwimmt. Sie kommen nur heraus, um zu jagen, wenn es dunkel ist.
Shanaro erwiderte Vions Blick und nickte – er hatte das Gefühl, den Meerelfen getroffen zu haben, indem er ein Tier seiner Welt als hässlich bezeichnete. Gemächlich grub er sich mit seinem Fischschwanz eine bequeme Kuhle in den Sand und ließ die Muräne nicht aus den Augen. Im Licht des Leuchtsteins schimmerte ihr Körper dunkel, ein Netzwerk heller Flecken zog sich darüber hin. Und dann schwamm auf einmal ein unvosichtiger kleiner Fisch an ihrer Höhle vorbei. Die Jägerin schoss hervor wie ein Pfeil von der Sehne. Mit nur einem einzigen Biss hatte sie ihre beute erledigt und schwamm, den Fisch zwischen den Zähnen, gemächlich zu ihrem Loch zurück. In weichen Wellen bewegte sich ihre Rückenflosse, während sie schlangengleich durchs Wasser glitt – und auf einmal war da gar nichts Hässliches mehr an diesem Wesen. Shanaro sah nur noch die geschmeidige Eleganz und die tödliche Sicherheit des erfahrenen Jägers. Er lächelte.
Du hast recht, sendete er und berührte leicht Vions Hand. Würde sie auch uns angreifen?
Vion schüttelte den Kopf. Nur, wenn wie sie bedrängen. Aber wir sollten uns trotzdem mit dem schlafen abwechseln. Als Beute für diese Dame sind wir zu groß – aber es gibt durchaus Jäger hier draußen, für die sind wir nur Appetithäppchen.
Shanaro schluckte, aber er nickte und sagte nichts.
Schlaf du zuerst ein wenig. Ich wecke dich, wenn ich zu müde werde. Und wenn du nicht mehr kannst, übernehme ich den Rest der Nacht.
Shanaro nickte und rutschte in eine bequemere Position. Er rollte sich zusammen, bettete den Kopf auf einen angewinkelten Arm und schloss die Augen. Gute Nacht…
Ein sanftes Senden wie eine vorsichtige Berührung streifte ihn, und er fragte sich, ob Vion ihn jetzt wohl genauso beobachten würde, wie er am Morgen in der Höhle den Meerelfen beobachtet hatte. Ein leiser Schauer rann über seine Schuppen bei diesem Gedanken. Er seufzte, hielt die Augen geschlossen und versuchte, nicht daran zu denken. Vion konnte ihn gar nicht ansehen, er hielt Ausschau nach Raubfischen. Das war sicherlich nicht nur ein Vorwand gewesen. Shanaro atmete tief und versuchte, sich zu entspannen. Der Tag war aufregend gewesen, er war wirklich müde, aber jetzt, da er die Gelegenheit dazu hatte, konnte er nicht einschlafen, weil ihm zu viele Eindrücke im Kopf umhergingen. Er lag auf dem Meeresgrund. Seine Beine waren eine mächtige Schwanzflosse. Er atmete Wasser, so leicht, wie er einen frischen Seewind atmen würde, und er ruhte im eiskalten Wasser, ohne dass er fror. Und das alles war kein Traum, aus dem er irgendwann aufwachen würde, nein, das alles war so wirklich, wie Vion wirklich war.
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