Heute gibt es eine Premiere - nämlich eine Leseprobe von mir. Es geschehen immer noch Zeichen und Wunder. 
Die folgende Szene ist aus meinem Langzeitprojekt “Die Göttersteine”, an dem ich gerade schreibe, und schon etwas älter. Im T12 habe ich diese Szene dann aus meiner Kladde abgetippt und ein wenig überarbeitet.
Sie ist ein kurzer Ausschnitt aus dem Kapitel “Der Salzhändler”. Farn begegnet man hier als Leser zum ersten Mal, und auch Bergund ist hier noch nicht lange eingeführt, daher sollte sie - auch aus dem Zusammenhang gerissen - einigermaßen verständlich sein.
Bergund atmete die frische Luft ein, die von draußen hereinwehte. Die Ruhe im Raum war angenehm. Sie hatte ihren Schreiber für heute weggeschickt und genoss das ungewohnte Alleinsein.
Just in diesem Moment klopfte es an der Tür. Bergund seufzte. War ihr denn kein einziger ruhiger Moment vergönnt?
“Ja?”, sagte sie laut und ließ ihrer Stimme nichts von den Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen, anmerken.
Einer ihrer Leibwächter öffnete die Tür. “Farn Lendech bittet um Einlass.”
Bergund nickte. “Er kann eintreten.”
Ihr Inneres reagierte auf den Anblick des braunhaarigen Mannes, der nun eintrat, wie immer mit den widersprüchlichsten Gefühlen. Einerseits war sie froh, ihn zu sehen, andererseits stellte er ein weiteres Problem dar, das es zu lösen galt. Farn lebte seit mittlerweile 380 Tagen mit ihr unter einem Dach. Nur noch fünfundzwanzig Tage, dann würden sie als verheiratet gelten. Alle warteten schon auf den Ablauf der Frist - und bestimmt ahnte niemand, dass sie sich keineswegs sicher war, ob sie Farn nicht doch in den nächsten Tagen bitten sollte zu gehen. Der Gedanke an jemanden gebunden zu sein, verursachte ihre beinahe Kopfschmerzen. Sie war an ihr Land gebunden - reichte das nicht? Selbst ihr Schlafgemach müsste sie dann teilen, womit ihr kein einziger Raum mehr blieb, der nur ihr allein gehörte.
Allerdings würde sie großes Befremden hervorrufen, wenn sie sich entschließen sollte, keinen Mann zu nehmen. Es verstieß gegen jede Sitte und Tradition. Ihre Vorfahrin Heidrun war vor über 200 Jahren die einzige Königin gewesen, die nie geheiratet hatte, und sie war noch jetzt unter dem Beinamen “die Kalte” bekannt. Nein, es führte kaum ein Weg an einer Heirat vorbei, und wenn Bergund schon ihr Schlafgemach mit jemandem teilen sollte, so war Farn wohl nicht die schlechteste Wahl.