Von fünfzehn Autoren, die im Nanowrimo 2007 für den Tintenzirkel an den Start gehen, werden zwölf in diesem Blog über ihre Erlebnisse, Erfolge und Mißerfolge berichten Erst einmal berichten sie aber gleich über sich selbst.
Wir haben die in Frage kommenden Kandidaten ausführlich gecastet, um sicherzugehen, daß auch wirklich alle möglichen Typen am Ende in diesem Blog vertreten sind: Schüler, Studenten, Vollzeitberufstätige, Arbeitslose. Veteranen und Wunderkinder. Neugierige, Unbedarfte, Abgeklärte und Ehrgeizige. Wir haben sogar eine werdende Mutter, deren Kind sich für keinen anderen Monat als den November angekündigt hat… Es darf also spannend werden!
Wer schafft es, wer bleibt auf der Strecke, wer scheitert am Ende an seinen eigenen Hürden? Die Antwort ist ungewiß. Nur eines gilt: Am Ende des Novembers wird jeder einzelne dieser zehn, ob siegreich oder nicht, in seinem Leben einen Schritt weitergekommen sein.
Und nun ist es an der Zeit, die Autoren sprechen zu lassen:
Aryana

36 jahr alt, Biologin und Kirchenmusikerin, zur Zeit in beiden Berufszweigen tätig
Meine ersten Schreibversuche startete ich während meiner Abi-Zeit und im Studium wurde das Schreiben fantastischer Geschichten zum festen Bestandteil meines Lebens. Ich arbeite an zwei Romanprojekten, von denen sich eins in der Überarbeitungsphase befinden – ich plane, es im kommenden Jahr als Book on Demand zu veröffentlichen, falls ich keinen Verleger dafür finde (was ich beinahe erwarte).
Mit dem NaNoWriMo hoffe ich, beim Schreiben so etwas wie Disziplin zu entwickeln und tatsächlich ein Projekt zuende zu bringen. Mein NaNoWriMo-Plot wird zu einer Geschichte führen, die niemals veröffentlicht wird. Ich schreibe sie für einen Menschen, der mir sehr viel bedeutet – und für mich. Den NaNo zu knacken und die Geschichte zu schreiben ist für mich wichtiger als eine Veröffentlichung. Ich hoffe, dass mir der Gedanke an besagten Menschen mir das nötige Durchhaltevermögen geben wird.
Chuck

22 Jahre alt, charismatisch, Student für Niederländische und Italienische Philologie
Warum schreibe ich? Weil ich es kann! Warum aber mache ich dann beim Nanowrimo mit? Weil ich zwar schreiben kann, aber wohl nicht immer dann, wenn ich es könnte.
Bis auf ein wissenschaftliches Essay habe ich bisher noch nichts veröffentlicht, also wird es Zeit für mich den kreativen Hobel auszupacken und Spänen fallen zu lassen. Da kommt der November gerade recht.
Für mich liegt die Herausforderung weniger bei der 50.000 Wörter Grenze, als bei dem inneren Chuck, der leise vor sich hin schnarcht. Wenn er geweckt werden kann, dann könnten es genauso gut 100.000 Wörter sein.
Inhaltlich werde ich mich auf ganz neuem Terrain bewegen. Ein alleinstehender Junggeselle plagt sich Tag für Tag durchs Leben, um am Ende eines solchen festzustellen, wie trist doch alles ist. Seine Eltern hingegen sind eingefleischte Fantasyfans und schaffen auf merkwürdige Art und Weise die Welt anders zu sehen. Doch vielleicht schafft auch er irgendwann einmal durch diese bunte Brille zu sehen, um dann zu merken, dass auch in der dunkelsten Nacht irgendwo eine rosarote Kerze brennt, die ihm den Weg weist. Das alles und noch viel mehr:
H.S. sagt mal wieder!
Duana

15 Jahre, Gymnasiastin
Vor zwei Jahren hat mich die Schreiberei gepackt. Damals noch nicht so stark, nur klägliche kleine Geschichtsversuche wurden produziert, aber ich blieb dabei. Heute ist es ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Ich lese und schreibe Fantasy, aber manchmal verirre ich mich auch zum Krimi oder zu Jugendbüchern. Beendet habe ich leider noch nicht so viel, denn zwar habe ich viele Ideen, aber kaum Ausdauer und Durchhaltevermögen.
Beim NaNoWriMo mache ich das erste Mal mit und die Premiere soll mir zeigen, was ich wirklich kann. Was kann ich in 30 Tagen leisten, wie gehe ich damit um und was kommt dabei heraus? Ich hoffe, ich kann mich danach um einiges besser einschätzen als jetzt.
Eine Chance hätte ich sicherlich, den NaNoWriMo zu schaffen, auch wenn ich sonst monatlich höchstens ein Fünftel davon schaffe. Disziplin und Ehrgeiz müssen her, sollte ich das auf die Reihe bekommen, wäre der NaNoWriMo zu schaffen.
Ich gehe mit einem Plot an den Start, den ich schon vor Wochen gebastelt hatte, aber nie den richtigen Anfang fand. Entweder mir verging die Lust oder eine andere Idee hatte sich in meinem Kopf eingenistet. Aber die Geschichte liegt mir am Herzen, ich will sie schreiben und im NaNoWriMo geht das vielleicht.
Auf in den Kampf mit
Götterkampf!
Elena

Nicht der echte Name einer 19jährigen Biologiestudentin.
Nachdem man mich vorwarnte, dass Biologie ein sehr zeitaufwändiges Studium ist (“Freizeit? Vergiss es!”), dachte ich mir: Schlaf ist was für Weicheier.
Ich habe bereits 2006 erfolgreich am NaNo teilgenommen, ein Erlebnis, das so einschneidend, umstürzend, überwältigend (etc. pp.) war, dass ich mich seitdem auf den November freue.
Ich schreibe seit fast sechs Jahren, bis auf Kurzgeschichten in kleinen Anthologien unveröffentlicht, allerdings: ich arbeite dran.
Für den NaNo habe ich mir als Nachfolger des letztens Jahres wieder etwas Abgedrehtes überlegt - für mich ist der NaNo quasi die Zeit des Luftholens, wo ich einen Roman explizit nur für mich schreibe und mich etwas austoben kann, ohne auf Leser Rücksicht zu nehmen. Was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem versuchen würde, es zu veröffentlichen.
Geplant für dieses Jahr ist also
Der Maler, und ich folge mit der Geschichte dem NaNo-Motto: No Plot? No Problem!
Hr. Kürbis

28 Jahre, Verkäufer
Schreiben brauche ich nicht wie die Luft zum atmen, aber oft kann ich mir dadurch selber Luft machen, dem Alltag entfliehen oder sinnvoll verarbeiten, je nachdem. Dabei stehe ich mir aber nur allzu oft selbst im Wege, denn eigentlich bin ich absolut schreibfaul … Keine gute Voraussetzung für einen Autoren, sicher, aber was soll man machen?
Ein mögliche Lösung, der ich mich in diesem Jahr das erste Mal stelle: NaNoWriMo! Das wird eine wahre Herausforderung, den die erforderliche Wortzahl wird für mich als Vollzeitbeschäftigten und Langsamschreiber hart zu knacken sein.
Mein Projekt für den NaNo wird so etwas wie ein Western im Fantasy-Gewand. Ein Magier, dem alles genommen wurde, begibt sich auf einen (fast) einsamen Rachefeldzug gegen seinen ehemals besten Freund, dem er sein Unglück zu verdanken hat. Wird
Das Herz der Magie aufhören zu schlagen?
Judith

24 Jahre, Studentin (Doktoratsstudium Germanistik, Diplomstudium Klassische Archäologie)
Seit meinem achten Lebensjahr betrachtete ich das Schreiben stets als einen Teil von mir, als etwas, ohne das ich nicht leben kann. Doch dann trieben mich Selbstzweifel und Faulheit vor etwa vier Jahren in eine Schreibblockade. Erst seit knapp einem Jahr schreibe ich wieder kontinuierlich und bin fest entschlossen, nie wieder eine so lange Schreibpause einzulegen.
Am Nanowrimo nehme ich dieses Jahr das erste Mal teil. In erster Linie möchte ich damit meine Selbstzweifel zum Schweigen bringen und meiner Überarbeitungswut entgegensteuern, denn Überarbeiten ist schön und gut, aber nicht, wenn man noch an der Rohfassung sitzt. Und natürlich möchte ich mir auch beweisen, dass ich eine solche Menge an Wörtern in einem einzigen Monat bewältigen kann.
Mein Nanowrimo-Roman ist im hohen Norden meiner Fantasywelt „Acarneya“ angesiedelt und trägt den Arbeitstitel Polarnacht. Allerdings gibt es bis zum 1. November noch einige Plotlöcher zu stopfen.
Lapislazuli

28 Jahre alt, seit dem 19. Oktober 2007, dem Tag meiner Diplomprüfung nicht mehr Studentin der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien. Seitdem auch auf Jobsuche.
Mit dem regelmäßigen Schreiben von Geschichten habe ich mit 13 begonnen, wobei es wohl besser wäre, wenn diese ersten pubertären Machwerke für alle Zeit unter meinem Bett vergraben blieben. Beim Nanowrimo habe ich im letzten Jahr schon erfolgreich mitgemacht. Der November 2006 hat mich wahrhaftig vor Verzweiflung und Schreibblockade gerettet. Das Erfolgserlebnis in einem Monat fast einen ganzen Roman in Rohfassung zu Papier gebracht zu haben, hat mir ein paar Monate später auch das Selbstvertrauen gegeben, mich endlich ernsthaft an meine Diplomarbeit zu machen, die ich schließlich innerhalb von etwas mehr als einem Monat heruntergeschrieben habe – nachdem ich mich mindestens fünfmal so lange selbst bemitleidet hatte, und mir eingeredet, das schaff ich nie, und überhaupt, ich kann das nicht, ich brauch gar nicht erst anzufangen etc.
Der Nanowrimo hat mir gezeigt, ich muss mich einfach einmal hinsetzen und anfangen – dabei schaut mehr heraus, als wenn ich mich hinsetze und vor mich hin jammere. Mein innerer Schweinehund war vielleicht immer eines meiner größten Hindernisse beim Schreiben, aber schön langsam schaffe ich es diesem lieben Tierchen zu sagen, dass es seine Exzesse (zumindest zeitweise) ohne mich feiern kann.
Maja

32 Jahre alt, Bibliothekarin und Buchhändlerin, arbeitslos
Ich schreibe seit fünfundzwanzig Jahren. Seit acht Jahren versuche ich, Romane zu veröffentlichen, erfolglos, bis auf Eigenpublikationen im Print-on-Demand-Verfahren. Aber ich stecke auch mehr Aufwand ins Schreiben als in die Verlagssuche. Seit ein paar Jahren kann ich mir durchaus vorstellen, das Schreiben zu meinem Beruf zu machen. Seit einem Jahr glaube ich konkret, daß ich das schaffen kann: Woran ich normalerweise scheitere, ist nicht mangelndes Talent, sondern mangelnder Fleiß und fehlendes Durchhaltevermögen. Im vergangenen Jahr habe ich den Nanowrimo gewonnen, jetzt weiß ich, daß ich auch auf Kommando schreiben kann. Und daß ich das weiß, ist schlimm. Denn es bedeutet, daß ich in diesem Jahr wieder gewinnen
muß, und im nächsten Jahr, und im Jahr drauf. Sonst verliere ich alles, Gesicht, Ehre, Perspektive. Es ist genau die Einstellung, die man als Nanowrimo-Teilnehmer
nicht haben darf. Egal. Ich muß da durch. Ich muß gewinnen.
Mein Nanowrimo-Roman wird ein höchstdüsteres Werk über das innovative Thema “Der Immerwährende Kampf Zwischen Licht Und Dunkel”. Aber das Buch ist, zumindest laut Planung, innovativ, düster, und abgedreht. Ich mag sowas. Meine Mutter nicht. Sei’s drum. Dieses Jahr gibt es von mir
Lichtland.
Maran

42 Jahre alt, gelernte Landwirtin, jetzt tätig in der Systemgastronomie.
Ich schreibe seit etwa meinem 10. Lebensjahr, vorwiegend Phantastik. Vor etwa fünf Jahren entdeckte ich meine Vorliebe für das Schreiben von Kindergeschichten. Einer deren Helden ist ein Wachhund namens Phil, der auf einem Bauernhof in Norddeutschland wohnt. Er erlebt dort mehr oder weniger alltägliche Abenteuer; aber auch den Osterhasen hat er schon einmal getroffen. Sein Heim existiert tatsächlich, auch wenn ich es in meiner Phantasie etwas abgewandelt habe. Es gehörte einst meinem Großcousin. Als Kind war ich oft in den Ferien da, half bei der Heuernte usw. Einmal, als wir von so einem Ernteeinsatz zurückkehrten, meinte seine Frau zu mir: „Aus Dir wird noch mal eine Buursch (Bäuerin).“ Meine Antwort damals war: „Niemals!“
Dennoch habe ich Landwirtschaft gelernt, aber eine Bäuerin ist aus mir nicht geworden. Meine Erlebnisse und Erfahrungen allerdings spiegeln sich in den Geschichten um Phil wieder.
Mein Nano-Projekt basiert auf einem meiner RP-Charaktere. Naila ist ein Menschenmädchen, das allein im Wald aufwächst und dort irgendwann einen seltsamen Dolch findet. Ihr Schicksal ist eng mit dem Dolch verbunden, und die Geschichte soll beschreiben, wie sie den Weg erkennt, den sie zu gehen hat.
Monica

34 Jahre jung und Buchhändlerin aus Überzeugung.
Mit dem Schreiben begonnen habe ich vor etwa 20 Jahren, sehe das Ganze aber immer noch eher als ein Hobby, denn einen Beruf an. Trotzdem habe ich mich entschieden, in diesem Nanowrimo etwas zu schreiben, daß dann vielleicht auch mal von anderen gelesen wird, als „nur“ meinen treuen Betalesern.
Mein Projekt ist weder typisch klassisch, noch bemüht innovativ. Eher irgendwo dazwischen. Es gibt keinen Kampf zwischen Gut und Böse, zumindest nicht in der Form eines Dunklen Herrschers, der die Welt überrennt. Statt dessen eine Antiheldin, die einen Fluch brechen muß, den sie sich selbst auferlegt hat. Keine wirklichen Gegner, nur die eigenen kleinen Dämonen, die jeder in sich selbst bekämpfen muß. Und Stimmen, auf die man manchmal hören sollte. Einfach nur
Das Flüstern der Steine. Mein persönlicher Dämon ist die Faulheit, darum werde ich den Nanowrimo dieses Jahr schaffen!
Rune

26, gelernte Zahnarzthelferin und gelegentlich Saftschubse, arbeitslos, relativ frisch verheiratet und derzeit hochschwanger mit dem ersten Töchterchen.
Ich schreibe inzwischen seit knapp 10 Jahren, bin aber erst vor gut zwei Jahren ernsthaft daran gegangen, irgendwann mal etwas druckreifes in Händen zu halten.
Zum NaNo gekommen bin ich vor allem durch meine Schreibgruppe, die zum Großteil aus NaNo-Teilnehmern des letzten Jahres besteht und durch den Tintenzirkel. Und obwohl ich eigentlich im November ganz andere Dinge tun sollte (Windeln wechseln und Umzugskartons packen), hat mich das NaNo-Fieber erreicht und ich hibbele dem Tag entgegen, an dem ich endlich starten darf.
Warum ich mir den Streß antue, weiß ich gar nicht so genau. Aber die allgemeine Aufregung und Vorfreude ist momentan scheinbar genau das, was mich von vorzeitigen Wehen, Sodbrennen und den typischen Sorgen werdender Mütter ablenkt. Und vielleicht spielt auch das Wissen, das mein lang gehegter Traum von der Bücher schreibenden Hausfrau und Mutter nun in greifbare Nähe rückt, eine Rolle.
Mein Projekt mit dem vielsagenden Titel „Fantasy in 50.000 Worten“ wird sich vermutlich mit einer jungen Frau, ihrem besten Freund, einem geheimnisvollen Fremden und einem magischen Schwert befassen. Genaues dazu steht allerdings noch nicht fest. Ich lasse das einfach mal auf mich zukommen.
Steffi

Meine Name ist Steffi, ich bin 25 Jahre alt und nehme dieses Jahr zum dritten Mal am NaNoWriMo teil.
2005 hatte ich mich aus einer Laune heraus und ohne wirklich fertigen Plot angemeldet und wider Erwarten 50.000 Wörter erreicht. 2006 musste ich ausscheiden, aber dieses Jahr gehe ich mit viel Ehrgeiz an die Sache, und plotte schon seit einem Monat aufs heftigste. Schreiben tue ich über eine postapokalyptische Welt, über Dämonen und Engel und den Rest der Menschheit der irgendwo zwischen den Fronten steht und nicht weiß, zu wessen Seite er gehört – oder ob er überhaupt zu einer Seite gehört.