In diesem Jahr hat es einen unglaublichen Run auf den Nanowrimo gegeben. Nicht weniger als vierzig Forenmitglieder wagen den Kampf mit den fünfzigtausend Wörtern, und wieder wird der Tintenzirkel von einer repräsentativen Gruppe tapferer Blogger vertreten. Manche sind neu, manche waren schon im Vorjahr am Start.
Wieder haben wir die repräsentativste aller Mischungen, auch wenn uns in diesem Jahr leider die werdende Mutter fehlt - zumindest, was dieses Blog angeht. Schüler, Studenten, Berufstätige, jung und etwas weniger jung, Deutsche und Österreicher: Unser Blogteam ist so bunt wie der Tintenzirkel.
Noch sind alle guter Hoffnung, auch wenn die Hälfte der Leute wieder einmal behauptet, dieses Ziel sowieso nicht schaffen zu können, und die andere Hälfte glaubt, den Nano in drei Tagen absolvieren zu können: Am Ende des Monats werden wir sehen, was aus den Befürchtungen, Plänen und Ideen geworden ist, und aus den Büchern. Erst einmal wollen wir aber das Ist untersuchen: Und so stellen sich auch in diesem Jahr die tapferen Blogger, die Wilde Dreizehn des Tintenzirkels, mit ihren eigenen Worten vor.
Chuck
Mittlerweile 23 Jahre alt, kräftig, wallendes Haar und freischaffender Texter von Beruf.
Die Gründe beim Nano mitzumachen, sind ähnlich wie die des letzten Jahres. Es geht nicht um die Fähigkeit des Schreibens, sondern der Tat an sich. Ich will den November nutzen, um einfach nur zu schreiben. Qualität ist ein Merkmal, welches sich heraus kristallisiert, aber zunächst vollkommen ungebunden von der eigentlichen Tätigkeit ist. Würzen ist ja nicht ohne Grund eng mit dem Abschmecken verbrüdert.
Für mich wird der November eine angenehme Zeit. Mein Berufs- und Privatleben läuft super und ich habe jede Möglichkeit mich auf Produktivität und Kreativität einzustellen. Daher werden die 50.000 Wörter wieder einmal nur reine Formsache sein. Ein Arbeitssieg.
Ich werde den Nano dazu nutzen, Die gesammelten Werke der Zeven zu schreiben. Dabei wird der Roman so etwas wie ein niedergeschriebenes Plottgemenge sein. Einzig und alleine dafür, um nachfolgenden Romanen, die in dieser Welt spielen, eine Grundlage zu schaffen.
Der Stamm der Zeven bereist die Welt und durchbricht dabei erstmals die Weltenmauer. Die vielen neuen Welten, Plätze und Ereignisse werden fortan von den Zeven niedergeschrieben und gesammelt. Doch erst als alle sieben Stammesmitglieder ihre Aufzeichnungen vergleichen, über Kunst, Kultur und Beschaffenheit der Welten, wird ihnen klar, welches Geheimnis sie und ihr Diesseits beinhaltet. Ein Mysterium, das weit zurück reicht – noch vor dem Beginn ihres Seins.
Elena
Dieses Jahr immerhin 20 Jahre alt. Ich lebe an der Grenze zum Arsch der Welt, sprich, in einem Vorort von Tübingen.
Als zweimalige Gewinnerin steige ich dieses Mal vor allem in den Ring, um meine Ehre zu verteidigen. Nachdem mein Plan in den vorherigen Jahren war, einfach bis zum Schluss zu warten und dann sehr viel in sehr kurzer Zeit zu schreiben ist es mein Plan, dieses Mal die Sache umzudrehen und am Anfang sehr viel in sehr kurzer Zeit zu schreiben.
Wie letztes Jahr werde ich schummeln und ein angefangenes Manuskript weiterschreiben. “Die sieben Priester” müssen endlich zusammengeführt werden.
Grey
gerade vorm NaNo noch schnell 25 Jahre alt geworden, Neuro- und Verhaltensbiologin sowie Fußabtreter vom Dienst
Ich kann nichts dafür, dass ich schreibe. Wie Tjorven in „Ferien auf Saltkrokan“ so schön sagt: Das konnte bloß so. In meinem Kopf wohnt nun seit mindestens zwei Jahrzehnten eine wilde WG mit oft wechselnden Bewohnern. Aber selbst die längst flügge gewordenen kommen immer gern auf eine Party vorbei. Die meisten von ihnen sind auch noch recht gesprächig. Und um da nicht wahnsinnig zu werden, schreibe ich lieber auf, was sie so für Schwänke erzählen – in der leisen Hoffnung, dass es irgendwen interessiert.
In diesem NaNo schreibe ich, die sich so oft gegen Vampirgeschichten ausgesprochen hat, eine Dystopie mit einem ganzen Sack voller Vampirprotagonisten. Einfach, weil ich glaube, dass es Spaß machen muss, massenweise Protagonisten mit übermenschlichen Fähigkeiten zu haben. Den NaNo an sich nehme ich vor allem aus Gründen der Ehre in Angriff. Da gibt’s auch kein Zurück oder Aufgeben mit weinerlichen Argumenten wie Zeitmangel oder Müdigkeit. Oh nein. Ich ziehe das durch. Komme was wolle.
Judith
25 Jahre, Archäologie-Studentin, die so ganz „nebenbei“ eine Dissertation in Germanistik schreibt und diverse Jobs macht, die weder mit der einen noch mit der anderen Studienrichtung etwas zu tun haben
Wenn man von einer längeren Schreibblockade absieht, schreibe ich schon seit meinem achten Lebensjahr mit großer Begeisterung Geschichten. Letztes Jahr habe ich bereits am NaNo teilgenommen (mit Erfolg) und zwar in erster Linie, um gegen meine Selbstzweifel anzukämpfen und meine Überarbeitungswut etwas zu dämpfen.
In diesem Jahr geht es mir um etwas anderes: Mein manchmal enormer Stress mit der Uni führt allmählich dazu, dass ich so gut wie gar nicht mehr schreibe, weil ich immer denke, dass ich besser an meiner Dissertation arbeiten oder für eine Prüfung lernen sollte. Aber es ärgert mich, dass ich mich in den letzten Monaten kaum noch dem Schreiben gewidmet habe, und ich merke auch, wie sehr es mir fehlt.
Der November wird also ein Monat für mich und das Schreiben. Ich muss zwar einiges für die Uni erledigen, arbeiten und zu allem Überfluss auch noch in eine andere Wohnung übersiedeln, aber trotzdem möchte ich soviel Zeit wie möglich für meinen Roman freischaufeln. Dieser trägt den Arbeitstitel „Die geraubte Seele“ und bringt die Sagen vom Donaufürsten und dem Wassermännlein in der Wien in das Hier und Jetzt.
Kerimaya
25 Lenze alt (am 29.11. werden es dann 26 werden), zurzeit Autorin, Studentin und Online-Redakteurin und ausgewiesene Quatschtante.
Als Halbasiatin ständig zwischen zwei Welten unterwes. Ich schreibe schon sehr lange aber der Wunsch, es ‚professioneller’ zu gestalten kam erst 2004 über mich. In dem Jahr bestritt ich auch meinen ersten NaNo und gewann ihn tatsächlich. Seither gehört es für mich dazu, zu tippen, und mehrere Veröffentlichungen sind der Lohn, wenn ich mal wieder wochenlang zuwenig Schlaf abbekomme, weil ich die Tastatur nicht in Ruhe lassen konnte.
2008 ist mein fünfter NaNo. So arrogant ich auch klingen mag, aber Angst, ihn nicht zu schaffen, habe ich nicht. Die letzten vier Jahre habe ich meinem inneren Schweinehund und mir bereits bewiesen, dass 50.000 Wörter in einem Monat durchaus zu schaffen sind. In diesem Jahr arbeite ich allerdings mit einer Zeichnerin zusammen – und das ist etwas, was ich mir als sehr schwierig, sehr schön und sehr spannend vorstelle. Ich bin bereits jetzt gespannt auf das Endergebnis!
Lavendel
25 Jahre alt, verzweifelte Langzeitstudentin.
Ich habe im November nie Zeit, darum dachte ich mir: Hey, mach doch mal mit. Ich brauche mal Erfolgserlebnisse. Der NaNo ist also genau das Richtige. Wenn ich was schaffen kann, dann Schreiben.
Mein Projekt? Es ist abgedreht genug, um immer Spaß zu machen. Ich glaube, es ist ein 90er Jahre B-Movie. Man wird sehen, was daraus wird. Ich wollte mich mit keinem Herzensprojekt in den ersten NaNo stürzen, also ist es eben eine an den Haaren herbeigezogene Story mit viel Gewalt geworden. Vielleicht wird dieser Roman aber noch zu einem Herzensprojekt. Man kann nie wissen. Schlauer bin ich im Dezember.
Maja
33 Jahre, Bibliothekarin an einer westdeutschen Eliteuniversität
Mein dritter Nano wird mein schwerster. Daß ich es kann, habe ich bereits bewiesen: 2006 und 2007. Aber da war ich arbeitslos, und der Tag bot mir vierundzwanzig Stunden, die ich beliebig mit Schreiben und Schlafen füllen konnte. Das hat sich jetzt geändert: Ich bin berufstätig, und seit Anfang Oktober sogar in Vollzeit. Diese Kombination ist übel: Noch nicht an die Vierzig-Stunden-Woche gewöhnt, aber trotzdem jeden Tag nach Feierabend noch vier Stunden schreiben… Meine Mutter mir geraten, den Nano dieses Jahr deswegen sausen zu lassen, aber das kann, will und darf ich nicht. Vergangenes Jahr hatten wir im Team Tintenzirkel mehrere Naniten, die trotz Vollzeitarbeit die magische Grenze überschritten haben - und was die können, das kann ich schon längst.
Ich muß mir auch beweisen, daß ich überhaupt noch schreiben kann. Denn das ist, bedingt durch Umzug und Arbeitsantritt, in diesem Jahr komplett auf der Strecke geblieben. Es ist also für mich ein Fall von “Jetzt oder Nie”. Entweder ich schreibe diesen Nanowrimo, und
schaffe diesen Nanowrimo, oder ich kann mich von meinem Traum, eine richtige Autorin zu werden, verabschieden.
Seit drei Monaten plane ich und freue mich darauf, in diesem Jahr wieder ein vermeintliches Jugendbuch zu schreiben (ob es wirklich eines wird, hängt an zwei, drei Plottwendungen, die sehr grausam ausgehen können). Und dann stelle ich meine Mutter vor vollendete Tatsachen und überrasche sie zu Weihnachten mit einem fertigen Exemplar von
Geisterlied.
Moni
35 Jahre, Buchhändlerin (immer noch aus Überzeugung)
Schreiben dient bei mir dem Spaß: meinem eigenen und natürlich dem der Leser. Aber ich stelle mich da wirklich voran, denn wenn mir etwas keinen Spaß macht, lasse ich es. Darum treibe ich mich auch nicht mit Peitschen voran, wenn das Tagespensum mal hakt.
Mein diesjähriges NaNoBuch wird eine Parodie. Eine Parodie auf Vampirbeißer. Wer nicht weiß, was ein Beißer ist: die rosabeseiteten Taschenbücher mit Mann und Frau in verschiedenen Stadien des Ausgezogenseins auf dem Cover (und im Inhalt). Und da es diese romantischen “Historien”romane auch im Genre des Vampirromans gibt, widme ich mich in diesem Jahr genau diesen hochliterarischen und unglaublich anspruchsvollen Werken.
Ich habe eine frustrierte Bestsellerautorin, einen vergeblich schmachtenden Vampir, einen unglaublch gutausehenden, leicht sinistren Vampir und drum herum einen hoffentlich gelungenen Plot.
Nagi
alias Theresa, 13 Jahre alt. Schülerin, mit bisher fünf angekündigten Prüfungen im November.
Ich würde nicht behaupten, dass ich schreibe, seit ich das Alphabet kenne, oder einen Stift halten kann. Ich war nie ein 6jähriges Wunderkind, das in dem Alter schon die ersten drei Romane geschrieben hat. Was ich mache, seit ich mich zurückerinnern kann, ist mir Geschichten auszudenken. Das Schreiben kam erst später. Ich war ungefähr neun, als ich bemerkt habe, dass meine Umwelt es nicht unbedingt … berauschend findet, ständig von mir angequasselt zu werden.
Beim NaNo mache ich mit, weil ich schreiben mag. Viel schreiben. Schnell schreiben. Ein bisschen ist der NaNo nur meine Ausrede, um schreiben zu können, ohne darüber nachdenken zu müssen, was ich gerade schreibe. Ob es mir mehr um die 50,000 Wörter geht, oder darum, in einem Monat einen Roman zu schreiben, kann ich nicht sagen. Nur, dass ich mich bemühen werde, so viel wie möglich zu geben.
„Graue Tage“ ist nicht besonders fantasymäßig. Es gibt keine Drachen, was ich irgendwie bedaure, aber dafür seelenlose Geister, die in stillgelegten U-Bahn Stationen leben. Mehr als zwanzig Stichpunkte existieren plotmäßig nicht.
Trotzdem wird’s bestimmt … lustig.
Steffi
Mit 26 Jahren immer noch Studentin, aber hoffentlich kurz vor dem Abschluss, an der Magisterarbeit sitze ich immerhin schon. Passenderweise schreibe ich über Gothic, Schauerromane und Popkultur.
Beim ersten Mal habe ich beim NaNo 2005 teilgenommen, aus einer „Mal sehen, ob ich’s kann“ – Mentalität heraus, und habe direkt gewonnen. 2006 und 2007 ging es mit ernsteren Ambitionen an den NaNoWriMo, was nicht nur dazu führte, dass ich beide Jahre nicht gewann, sondern dass ich 2007 völlig entmutigt aufgab und das Schreiben, abgesehen von Fanfiction, völlig aufgab. Und dass, wo ich Zeit meines Lebens Autorin werden wollte.
Dieses Jahr bin ich also, nachdem ich mich eigentlich schon offiziell abgemeldet hatte, doch wieder dabei. Nicht, um die 50.000 zu schaffen sondern bloß, um zu schreiben. So viel zu schreiben wie geht, und vielleicht irgendwie wieder den Spaß an der Sache zu gewinnen. Zumindest verfasse ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Text in Manuskriptform.
Und das Buch selber? Das wird, wenn alles gut geht, eine phantastischer Roman im Gewand eines historischen Romans – oder umgekehrt. Spielen tut er da, wo ich mich auskenne, und wo ich zu Hause bin: im Ruhrgebiet.