Erst mal wäre zu erwähnen, dass ich fünf Minuten überlegen musste, in welche Kategorie ich meinen Beitrag jetzt eigentlich stecken soll. Aber ich denke, dass diese Kategorie die passende ist, denn immerhin bin/war ich ja NaNo-Teilnehmer.
Auch wenn ich seit mitte Dezember kein einziges Wort mehr an meinem Roman geschrieben habe.
Vielleicht wäre es ganz nett, jetzt dramatisch zu werden und zu sagen, dass ich im November in eine Art Schreibrausch gefallen bin und alles nur noch durch einen tintenblauen Schleier gesehen habe - allerdings wäre das eine glatte Lüge. In Wahrheit habe ich mich einfach nur einen Monat lang unter Kontrolle gehabt (besser gesagt meinen inneren Schweinehund), aber es ist für mich seltsam, dass ich das nicht länger durchhalte.
Wo ist die Zeit hin, in der ich bis zwei Uhr morgens geschrieben und trotzdem in der Schule aufgepasst habe? In der ich den NaNo geschafft und mich selbst besiegt habe? Was um Himmels Willen ist mit dem total übermüdeten Teenager passiert, der mit zwei Dosen RedBull intus 12000 Wörter an einem Tag geschrieben hat?
Es ist nicht richtig, meinen ganzen seelischen Ballast hier abzuladen, aber was soll’s, ich tu’s trotzdem, für was hab ich einen Account bei diesem Blog?
In letzter Zeit fühle ich mich immer mehr wie ein Sack Kartoffeln, die jemand einen Monat lang durch einen Fluch zum Leben erweckt hat. Manchmal frage ich mich, ob es ncht besser gewesen wäre, hätte ich auf diese tolle NaNo-Erfahrung verzichtet? Würde ich dann immer noch meine 10k Wörter im Monat schreiben - es war nicht viel, aber immerhin
habe ich regelmäßig geschrieben - statt gar nichts zu tun und zu jammern?
Ich blicke auf eine Woche zurück, in der ich höchstens 1000 Wörter geschrieben, aber keine Schule gehabt habe. Ich hatte Zeit, meiner geheimen Leidenschaft zu frönen und Richtersendungen anzusehen. Ich war zweimal im Kino und habe ein Buch gelesen. Ich habe gezeichnet und war mit meinem Hund spazieren.
Aber ich konnte nicht schreiben. Jetzt, wo diese Freude über den bestandenen November weg ist, kann ich es einfach nicht mehr. Ich hab es mit bunter Tinte, College-Blöcken und OpenOffice versucht. Kuli und glattem Papier. Beinahe so, als hätte jemand den Hahn zugedreht, und einfach alles ist …
weg.
Was ich schreibe, ist
nicht gut, es ist meilenweit davon entfernt. Und langsam frage ich mich, ob ich besser werde, irgendwann, oder ob ich immer auf dem gleichen Level bleiben und mich nie weiter entwickeln werde.
Aber gleichzeitig bin ich mir sicher, wirklich sicher, dass ich meine Meinung ändern könnte. Wenn ich schreiben würde, richtige Geschichten, weder Fanfiction noch Blog-Beiträge. Wenn ich mich aufraffen und aufhören würde zu jammern. Gleichzeitig drehe ich mich hier im Kreis, tue den ganzen Tag nichts Sinnvolles, sondern … nichts.
Aber vielleicht kann ich nichts ändern, zumindest im Moment. Vielleicht muss ich wirklich zuerst erkennen dass das, was ich bisher für gut gehalten habe, eigentlich Bockmist ist.
Eigentlich will ich nicht jammern, ich will kein pubertärer Teenie sein, auch kein Phönix der aus seiner Asche aufsteigt. Eigentlich will ich im Moment nur eins - Schreiben, so wie im NaNo, so, als gäbe es keinen Morgen mehr. Schreiben, ohne Angst vor dem großen, leeren, weißen Blatt Papier zu haben.
Und ich werde mir diesen Beitrag vor dem Senden nicht noch einmal durchlesen - nicht aus Protest, sondern weil ich dann alles wieder löschen würde.