Auf ein Neues! Die Tage werden kürzer, die Bäume kahler, der Himmel grauer und die Autoren emsiger: Genau, der November steht vor der Tür, und mit ihm kommt das große Schreibspektakel, die literarische Massenhysterie, das Dreißig-Tage-Rennen um Ruhm, Ehre und nicht weniger als 50.000 Wörter - der Nationnal Novel Writing Month eben.
In diesem Jahr begeht der Tintenzirkel zum vierten Mal den Nanowrimo, zum dritten Mal mit Blogbegleitung. Was 2006 mit vier Teilnehmern und zwei Siegern begann, wurde von Jahr zu Jahr ein größeres Ereignis, mit nicht weniger als vierzig Teilnehmern im Jahr 2008. Dieses Jahr sind es wieder ein paar weniger - nur noch gut dreißig Mutige gehen in diesem Jahr an den Start. Das ist nicht schlimm - letztes Jahr waren es doch vielleicht ein paar Teilnehmer zuviel, wenn man an die kuschelige Stimmumg von 2007 zurückdenkt.
Elf Autoren werden für den Tintenzirkel bloggen, und wieder ist der Querschnitt bunt und statistisch gut gemischt - nur, daß wir in diesem Jahr kein Kind erwarten, aber das wird man uns hoffentlich nachsehen. Viele aus vergangenen Jahren bekannte Gesichter sind dabei; die Jüngsten nicht mehr ganz so jung, die Ältesten noch ein weniger älter, manche skeptisch, andere optimistisch, aber alle voll Wagemut: So stellt sich die Tintenzirkel-Elf auch in diesem Jahr wieder mit ihren eigenen Worten vor.
Aryana
38 Jahre alt, Biologin und Kirchenmusikerin, zur Zeit in beiden Berufszweigen tätig.
Meine ersten Schreibversuche startete ich während meiner Abi-Zeit und im Studium wurde das Schreiben fantastischer Geschichten zum festen Bestandteil meines Lebens. Ich arbeite zur Zeit an mehreren Romanprojekten, die meisten davon bisher nur vage Ideensammlungen auf meiner chaotischen Festplatte und in meinem unaufgeräumten Hirn.
Seitdem ich meinen 2008er Nano-Roman komplett in den Sand gesetzt habe (der Plot funktionierte vorn und hinten nicht), gebe ich dem Projekt “Schwarze Flügel” in diesem Jahr eine zweite Chance mit neu durchdachtem Plot und anderen Schwerpunkten. Sollte es diesmal klappen, wird das Ergebnis ein Fantasyroman mit zeitlos aktuellen Bezügen zum Thema Drogen, Sucht und “Reichtum um jeden Preis?” sein. Natürlich gibt es wieder einen Charakter mit spitzen Ohren. Kein Aryana-Roman ohne spitzohrige Wesen. Ich kann nicht anders.
Chuck
Mittlerweile 24 Jahre alt versuche ich auch beim Nano 2009 mein Glück. Allerdings glaube ich nicht an Glück, werde mich aber hüten mit einer großen Klappe wie letztes Jahr an den Start zu gehen. Dieses Jahr soll alles etwas ruhiger von statten gehen. Nicht das ich damit schon eine Ausrede suche - nein, im Gegenteil: Ich denke, nur mit Ruhe und Gelassenheit werde ich das Ziel erreichen.
Ich mache also beim Nano mit, um die gute Gelegenheit einfach nicht verstreichen zu lassen. Zwar kann ich auch ohne Nano schreiben, aber zwischen Praxis und Theorie herrscht meist diese große Lücke der Faulheit, weshalb der November Nano nicht unpraktisch daherkommt. Motivation für wässrige Autorennerven.
Schreiben werde ich ein Jugendbuch. Tatsächlich habe ich dazu meine Liebe entdeckt und habe vorerst genug von spitzohrigem Gesindel. Es soll ruhig und friedlich vonstatten gehen und so schicke ich in diesem Jahr den jungen Olaf auf die Reise, denn in der Bibliothek von Alexandria wartet etwas auf ihn.
Und eines ist sicher: Erreicht Olaf die Bibliothek, dann erreiche ich das Ziel der 50.000 Worte.
Geronimo!
Elena
Name: Eigentlich nicht Elena.
Alter: 21 Jahre.
Wohnort: Tübingen. Ein Vorort von Tübingen. Eigentlich ein Vorort von einem Vorort von Tübingen.
Beschäftigung: Ich gehe zur Schule. An der Uni. In Biologie. (D.h., ich studiere Biologie auf Bachelor an der Universität Tübingen.)
Ziel: Locker 50.000 Wörter bis drei Tage vor Ende des Monats schreiben und ein Master an der University of Oxford.
Wird vermutlich: 50.000 Wörter irgendwann am 30.11. um 23:50 Uhr fertig und ein Master an der Universität Saalfeld-Rudolfsstadt.
Titel des Manuskripts: „Die Stadt der gestohlenen Träume“.
Genre: Jugendfantasy.
Inhalt: Eine Stadt. Ein Mann mit einem Affen. Ein Junge mit einem Stift. Liebe. Träume. Und verlorene Erinnerungen.
Gothanna
29 Jahre alt, Verpackerin in einem Onlineshop
Dieser NaNo ist mein erster und ich bin schon ganz gespannt auf das, was mich erwartet. Ob ich die große Zahl, die 50.000, schaffen kann, weiß ich jetzt noch nicht. Zwei Wochen im Monat bin ich immerhin alleinerziehende Mutter. Für mich ist das ein Experiment. Ich will an meine Grenzen gehen und darüber hinaus.
Vorgenommen habe ich mir einen Zombieroman. Der Plot dazu kam mir vor einigen Jahren im Traum. Der düstere Monat November scheint mir der richtige für so ein Thema zu sein, auch wenn ich mich jetzt schon selbst vor einigen Szenen grusele. Daher bin ich auch ganz froh, den NaNo nicht alleine bestreiten zu müssen, sondern zusammen mit anderen Zirklern. Wir werden schon sehen, wie lang meine Fingernägel im Dezember noch sind.
Judith
26 Jahre, Doktoratsstudentin, Mädchen für alles in einem Theaterverein und tätig im Publikumsdienst in einem Musicaltheater
Alle guten Dinge sind drei, und deshalb bin ich natürlich auch dieses Jahr wieder beim NaNo dabei. 2007 hab ich die 50.000 Wörter geschafft, 2008 bin ich aufgrund einer riesigen Plotlücke knapp daran vorbeigeschrammt und nun möchte ich es natürlich wieder schaffen.
Mal wieder ein November, in dem ich keine Zeit habe (Theaterproben, viele Abend- und Wochenenddienste, Uni und meine Doktorarbeit), aber dieses klitzekleine Hindernis hat mich ja auch die letzten Jahre noch nie vom NaNo abgehalten.
Ich werde mich wohl an das Motto “No Plot? No Problem!” halten müssen, da ich bisher mehr vage Ideen als einen tatsächlichen Plot habe. Aber grob geht es um eine Schauspielerin in einer antik angehauchten Fantasywelt, um einen Dichter, um seltsame Geschehnisse rund um ein Stück, um Liebe, Magie und Geheimnisse. Am 1. 11. starte ich also mit Bühnenzauber.
Maja
34 Jahre alt, Halbtagsbibliothekarin, immerhin in der Bibliothek einer westdeutschen Eliteuniversität.
Ich habe zwei Nanos gewonnen und gedacht, das müßte jetzt immer und für alle Zeit so weitergehen - aber im vergangenen Jahr bin ich gescheitert, und das nach nicht mehr als drei Tagen. Obwohl ich meine Geschichte mochte und immer noch mag, ging es einfach nicht - ich konnte meine Vollzeitstelle und die Schreiberei nicht unter einen Hut bringen, und verabschiedete mich aus gesundheitlichen Gründen vom Nano und aus dem Blog. Nicht mal einen Abschiedsbeitrag habe ich noch zustande gebracht.
Jetzt ist es nur noch eine halbe Stelle, es geht mir wieder etwas besser, und ich gedenke, in diesem Jahr wieder den Nano zu schreiben und zu gewinnen. Bis vor wenigen Tagen ging ich noch davon aus, daß ich einen Krimi mit Vampiren schreiben würde - aber so toll meine Vampire auch waren, für einen Krimi fehlte mir der Plot. So daß ich das Debakel lieber im Vorfeld vermied und das Thema wechselte, hin zu dem Roman, der mir seit Wochen nicht aus dem Kopf geht. Es ist kein neues Projekt, und ich verstoße gegen alle Nano-Regeln damit, denn ich werde die gut achtzig Seiten Text, die ich schon habe, auch behalten, denn sie sind gut. Ich werde sie auch nicht auf die fünfzigtausend Wörter anrechnen. Aber in diesem Jahr gibt es von mir Degen und Dreispitze, Geister, Schufte und Verschwörer und die Schrecken der Tiefsee, kurz: Die Gauklerinsel.
Moni
mittlerweile 36 Jahre jung, immer noch Buchhändlerin.
In diesem Jahr hoffe ich, wenigstens bis zum Ende des NaNo durchzuhalten und, wenn möglich auch die 50k zu schaffen.
Das diesjährige Projekt soll daß Thema Vampire auf die Schippe nehmen und besonders die sogenannten Beißer - auch als romantische Vampirromane bezeichnet. Bisher bin ich guter Dinge, der Plot gefällt mir, die Charakere sind interessant und es könnte alles Gut laufen.
Jetzt heißt es einfach nur durchhalten - neben dem Vollzeitjob noch den Nano zu packen.
Rhiannon
18 Jahre alt, noch Schülerin aus dem Südwesten von Baden-Württember (Nähe Stuttgart) aber hoffentlich nicht mehr lange.
Dieser NaNo ist mein zweiter, ich bin also noch nicht lange dabei, aber nachdem ich letzten November trotz unheimlich vieler Klausuren, Fahrschule und diversem anderen Stress meinen inneren Schweinehund so grandios besiegt habe, war mir klar, dass ich den NaNo 2009 wieder bestreiten werde. Ich weiß, dass ich 50.000 Worte in einem Monat schreiben kann. Unter uns, ich brauche diesen Tritt in den Allerwertesten. Zwar bin ich absolut schreibsüchtig, leider aber auch eine furchtbar faule Socke! Also raucht nun eben im November die Tastatur, die ich ja im Sommerloch nicht sehr beansprucht habe. Ich gehe dieses Jahr aber nicht mit Fantasy an den Start, sondern mit einem historischen Herzensprojekt.
Rune
In diesem Jahr bereits 28 Jahre alt, zur Zeit Hausfrau und Mutter von Sarah (2 Jahre) und Emilia (8 Monate) und ansässig in einem Ort, von dem ich eigentlich nur fort möchte, aber momentan nicht weg kann.
Angefangen zu schreiben habe ich vor nunmehr 12 Jahren, bin aber erst in den letzten 4 Jahren mit einer gewissen Ernsthaftigkeit daran gegangen und glaube erst seit letztem Jahr wirklich daran, irgendwann einmal eine Geschichte für einen Verlag fertig zu bekommen.
NaNo hat mich 2007 das erste Mal gepackt. Damals bin ich durch meine Schreibgruppe und den Tintenzirkel darauf aufmerksam geworden und habe mich mit frisch geborenem Kind in die Schlacht gestürzt und meine Schwertmagier geschrieben. Es war berauschend und erhebend, trotz Kind, trotz Umzug und trotz Zweifeln die 50.000 zu knacken.
Letztes Jahr schrieb ich dann, wieder schwanger mit Baby Nummer zwei, meinen ersten „richtigen“ Roman, die Neuzeitmagier und schloss zum ersten Mal eine buchlange Geschichte vollständig ab. Noch heute blicke ich voll stolz auf das Werk, auch wenn es letztendlich in meiner Schublade verbleiben wird.
Dieses Jahr gehe ich ohne Babyhormone ins Rennen, dafür mit einem reellen Ziel.
Aus den Schwertmagiern ist das Erbe der Magier geworden, eine vollständige Neuauflage meines alten Romans von 2007. Alles Alte ist in der Tonne gelandet, vor mir liegt ein neuer Plot, eine völlig neue Story. Ich will die Geschichte neu, düster und vollständig aufsetzen und vor allem veröffentlichungsreif machen.
Ich bin aufgeregt. Gespannt auf den schreibintensivsten Monat des Jahres, voller Vorfreude auf die Tintenzirkel-Battles und fasziniert von der Idee, an diesem Manuskript zu arbeiten. Und voller Erwartung auf die Geschichte, die sich von Tag zu Tag mehr vor meinem inneren Auge abbildet.