Okay, okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber nachdem ich das Wochenende über recht viel geschrieben haben (ich bin inzwischen bei fast 36.000 Wörtern, was den Gewinn zumindest wieder realistisch gemacht hat. Dass ich heute fertig werde, natürlich nicht, aber inzwischen habe ich mich mit Maja auch auf morgen geeinigt ;D ), bin ich an das Ende des geplotteten Teils gekommen.
Zur Erklärung: Ich habe in der Regel (nun ja, ähm, seit ungefähr zwei Jahren) vor dem Schreiben bereits einen groben Plot in Exposé-Form, d.h., ich habe eine Zusammenfassung dessen, was passiert. Nun gibt es zwei Schwierigkeiten:
1. Was im Exposé passiert, passiert sowieso nie im Roman.
2. Was im Exposé klappt, klappt sowieso nie im Roman.
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch zwischendrin mal zu plotten, und zwar genauer und mit gestopften Löchern, die man vorher mit “Ach, darüber mache ich mir Gedanken, wenn ich da bin”, abgewunken hatte, was ungefähr so klug ist wie zu sagen “Ach, warum sollte ich tanken gehen, bevor der Tank leer ist? Ich weiß ja noch nicht mal genau, wo ich hin will!”
Schon mal versucht, mitten auf der Autobahn irgendwoher Benzin zu bekommen, wenn man keine Ahnung hat, wo man sich befindet und es präferieren würde, nicht überfahren zu werden? (Ich nicht.)
Kurz, es wurde nötig, einen kleinen Blick auf die Landkarte zu tätigen und sich zu überlegen, welche die richtige Richtung ist.
Damit meine ich nicht, dass ich mir das Exposé noch mal angeschaut hätte, ich vermeide es tunlichst, mir das (Plot-)Exposé überhaupt noch mal durchzulesen, nachdem ich es geschrieben habe. Es ist zu frustrierend (s.o.).
Aber ich habe versucht, meine wirren Gedanken zu ordnen und dabei das getan, was ich schon immer mal tun wollte: Alle Plotelemente für die nächsten 100 Seiten auf Karteikarten zu schreiben und zu versuchen, sie in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Und siehe da, es hat geklappt (obwohl ich die alten Visitenkarten meines Vaters benutzt habe). Das Tolle an der Sache ist, dass ich dadurch zwei Dinge umschiffen konnte, die mir sonst immer passieren:
1. Ich sehe Plotlöcher erst, wenn ich über dem Abgrund schwebe (wie in einem dieser alten Cartoons, wo die Figur, na ja, ihr wisst schon).
2. Ich schaffe es nicht, meine Lieblingsszenen mit reinzubringen.
Dieses Mal habe ich die nötigen und meine Lieblingsszenen aufgeschrieben und sie mit vielen, vielen Pfeilen versucht zu ordnen. Da bekommt das Plotloch endlich einen Charakter, weil man tatsächlich ein Loch hat, wo Dinge einfach nicht zusammenpassen. Außerdem bekommt man sehr lustige Strukturen mit Pfeilen hierhin und dahin und Querverbindungen, sodass man am Ende etwas an der Wand kleben hat, was stark an den Londoner U-Bahn-Plan erinnert (nur mit weniger Farben).
Dabei sind mir zwei Dinge im wesentlichen klar geworden:
1. Ich habe ein Zeitproblem (nein, damit meine ich nicht, dass ich keine Zeit dazu habe, das zu schreiben. Vielmehr haben meine Figuren ein Zeitproblem, oder die Handlung. Schlechtes Timing eben).
2. Ich brauche dringend einen Namen für meinen Antagonisten! Bisher hat der auf den Karten die unrühmliche Abkürzung “EO”, für “Evil Overlord”, aber erstens wird ihm das nicht gerecht und zweitens soll ihn nicht auch noch dasselbe Schicksal ereilen wie “Die Alte vom Berg” (bringt zwar Worte, wird aber komisch, wenn selbst nächste Verwandte der Dame um ihren Namen herumtanzen wie Tiger um Brötchen*).
Na ja, darüber kann ich mir noch Gedanken machen, wenn ich da bin …
(*Fragt nicht.)