Okay, okay. Dieses Mal hat es nicht nur ewig bis zu meinem ersten Blog-Eintrag gedauert, ich bin auch bei einem historisch niedrigen Wordcount von um die 18.000 Wörter. Nach einem wirklich guten Start habe ich irgendwann um den sechsten herum aufgehört zu schreiben und heute erstaunt festgestellt, dass schon der 20.11. ist. Während die ersten bereits die 50.000 voll haben und schnurstracks auf die 100.000 Wörter zu marschieren, habe ich Protokolle korrigiert, war auf einer Konferenz (war super, ich erinnere mich an ca. 50% dessen, was dort passiert ist, aber einer der anderen versicherte mehrmals, dass das Gespräch, das ich mit ihm und einem weiteren Teilnehmer geführt hatte, echt toll war. Allerdings habe ich ihn nicht noch mal gefragt, als er nüchtern war), habe Protokolle korrigiert, einen Seminarvortrag gehalten, Protokolle korrigiert, war in Prag, habe ein bisschen beim Bildungsstreik mitgespielt und manchmal noch studiert. Genaugenommen könnte ich nicht genau sagen, was ich die ganze Zeit gemacht habe, aber gefühlt habe ich seit über zehn Tagen nur Protokolle korrigiert.
Hm.
Gut. Wo wäre die Herausforderung, wenn es nicht nur noch 10 Tage und etwas über 30.000 Wörter wären? Wo wäre da mein typischer NaNo, der immer in der ein oder anderen Art daraus besteht, verdammt viel in verdammt kurzer Zeit zu schreiben? Wo wäre da der Spaß?
Bei allem ist der NaNo aber in einer Hinsicht für mich dieses Jahr deutlich unterschiedlich von den bisherigen, und der Punkt gefällt mir am meisten (historischer Tiefstand ist an sich ja kein Grund für Freudensprüge): Ich bin bisher mit kleinen Ausnahmen durch die Bank weg zufrieden mit dem, was ich geschrieben habe. Während bei den anderen NaNos jedes Mal spätestens bei 15.000 Wörtern die ersten Bauchschmerzen insgesamt und bei 20.000 Wörtern das Bewusstsein, nichts Vernünftiges zu Papier gebracht zu haben aufkam, bin ich bisher sehr zufrieden mit so ziemlich allen Aspekten: Charaktere, Plot, Aufbau, Sprache. Dabei geht es mehr um das allgemeine Grundgefühl als um, nun, hundertprozentige Erfüllung aller Punkte. Es hat ein bisschen Bla, der Anfang muss kürzer und nicht jeder Satz ist gelungen, und doch:
Seit über zwei Jahren bin ich zum ersten Mal wieder richtig zufrieden mit dem, was ich schreibe.
Ich hatte ein halbes Jahr lang nichts zu Papier gebracht, nicht ein bisschen, ich hatte keine Lust mehr und war kurz davor aufzuhören. Der NaNo war mehr oder weniger der letzte Versuch, ins Schreiben zurückzufinden und mich daran zu erinnern, warum ich das mal gerne gemacht habe.
Und dann kam der Moment, in dem ich nach einem Schreibabend auf dem Sofa saß und mich fühlte, als hätte ich die letzten zwei Jahre die Luft angehalten und würde nun endlich wieder atmen können. Eine Zufriedenheit, bei der ich kaum wusste, das ich sie vermisst habe. An den Tagen, an denen ich keine Zeit zum Schreiben hatte, habe ich daran gedacht und wollte gerne weiter am Manuskript arbeiten, während mir vorher jede Ausrede willkommen war, um es nicht tun zu müssen.
Ich hoffe wirklich, dass ich das nicht ruiniere.