In den letzten Jahren habe ich mir angewöhnt, „eine Seite“ als die Grundeinheit für zu schreibende Geschichten zu betrachten. Aber wieviel ist eine Seite?
Sofern es sich um ein Blatt Papier der Größe A4 handelt, sind es 21 x 29,7 cm, also 623,7 cm². Na gut, das mag ganz hilfreich sein beim Basteln, Zeichnen oder Eintüten, aber über die Wortausbeute beim Kampfschreiben sagt es nichts.
Als Maß für die Textmenge gibt es die gute alte Normseite, die man bekanntlich auch auf einem Frühstücksbrettchen unterbringen kann. Manche Schlaumeier sind der Meinung, sie enthalte 1800 Zeichen. Das gilt aber nur, wenn man völlig absatzfrei, dafür mit reichlich Silbentrennung (pfui!) schreibt. Bei meinem aktuellen Romanprojekt sind es eher 1400. Und etwa 225 Wörter.
Bei einem Tagesziel von rund 1700 Wörtern wären also etwa 7,5 bis 8 Normseiten zu schreiben. Ganz schön viel. Mal abgesehen davon, dass ich am Computer sowieso keine Rohfassungen schreiben kann.
Also nehme ich mir die oben errechneten 623,7 cm² und fülle sie von Hand. In Zeiten, in denen ich mich mit Perversitäten wie dem NaNoWriMo oder gar T12 nicht abgegeben habe, war das kein Problem. Sandkastendialoge bringen recht schnell die gewünschte Seitenzahl. Merke: Jeder neue Sprecher ein neuer Absatz.
„Nein!“
„Doch!“
„Nein!“
„Doch!“
„Du bist blöd!“
„Du stinkst!“
Die 1700 Wörter bleiben auf diese Weise aber ein fernes Ziel am Horizont. Also habe ich mir während des NaNo 2009 so Feinheiten wie Absätze abgewöhnt. Das merke ich dann schon beim Tippen, wo einer hingehört.
Trotz aller Quetschexperimente brauche ich Platz zum Streichen und noch mehr Wörter wieder hineinfuddeln. Deshalb weist mein ideales Schreibpapier Linien auf (Karopapier hat weniger Zeilen).
Ergebnis des Ganzen: “Eine Seite” bringt es auf etwa 600 Wörter. Ein Tagespensum sind also 3 Seiten (wenn ich nicht ein paar Nullrunden hingelegt hätte, wären es sogar nur 2).
Das klingt doch so, als ob man es schaffen könnte, oder?