Ich gehöre zu den Leuten, die schreiben, seit sie einen Stift halten können. Über die allerersten Versuche wurde inzwischen mehrmals tapeziert. Aber die erste längere Geschichte, die meine Schwester und ich auch noch zum Hörspiel verarbeitet haben, existiert noch, ebenso die zweite, die sich mit den Jahren zu einer Teenie-Saga mit allem Kommtvor entwickelte.
Vor etwa zwanzig Jahren habe ich die beiden schon einmal wieder ausgebuddelt, zusammengerührt, aufgebacken und auf Verlagsrundreise geschickt. Heute bin ich sehr beruhigt, dass damals nichts daraus geworden ist. (Obwohl, im „richtigen“ Verlag hätte ich vielleicht sogar landen können. Zum Glück habe ich nur die falschen angeschrieben.)
Dann, zu Zeiten des Harry-Potter-Hypes, habe ich angefangen, meine Ausgrabungsfunde zu einem Fantasy-Skelett zusammenzusetzen. Aber das Wesen, das mir da vorschwebte, war ziemlich kompliziert. Ein Feuer speiender Drache mit vier Flügeln ist nichts dagegen. Die Knochenbruchstücke, die ich hatte, wollten sich nicht zu einer solchen Kreatur sortieren lassen.
Nun war ich jüngst auf der Leipziger Buchmesse, habe ein paar Worte mit meiner Agentin gewechselt und am Stand eines gewissen Fachverlags zwei interessante Reihen entdeckt, zu denen meiner Meinung nach eine dritte passen würde. Mit Schnipseln aus meinem Ideen-Ordner und der berühmten Frage: „Und wenn ich jetzt …?“ ergibt das einen prima Leim, um die Relikte aus grauer Vorzeit zusammenzukleben. Das ganze kommt dann in den Brutkasten, und zur richtigen Zeit kriecht ein lebendiger kleiner Narratosaurus aus dem Ei.
Eine der wieder ausgegrabenen Hauptfiguren hat eine Geschlechtsumwandlung erlebt. Viele Nebenfiguren sind weg vom Fenster, dafür haben sich zwei neue Hauptfiguren angemeldet. Zwei „chaotisch gute“ Knaben sind jetzt potenziell schwere Jungs. Die Schauplätze haben sich in der Mitte getroffen. Das Opfer und die Schurken aus Geschichte Nr. 1, die ich zwischendurch als zu realtiätsfern rausgeschmissen hatte, sind wieder da und können jetzt auch noch zaubern. Nur älter ist in den letzten dreißig Jahren niemand von ihnen geworden, manche sogar etwas jünger.