Sorry, ich war ein wenig ausgeknockt. Die schiefende Hüstelitis hatte mich mal wieder in ihren schleimtriefenden, halsraspelnden Klauen. Was ist das Tolle, wen man krank ist? Man kommt endlich mal wieder zum Lesen (wobei sich solche Reha-Orgien mit Kind im Haus auch auf ein Mindestmaß reduzieren; meistens ist der Partner dann ja parallel auch krank). Ich habe jedenfalls “Die Straße” in einem Zug gelesen und bin begeistert und das obwohl ich den Film schon kenne. Der Mann ist eindeutig literaturnobelpreisreif. Das ist Hochliteratur mit Abenteuerromancharakter. Sprachmächtig und herzzerreißend. Da werden einem die eigenen Grenzen erst mal wieder so richtig bewusst. Schriftstellerische und sonstige. Selbst nach zwei Jahren USA und einem dort erworbenen Master musste ich auf jeder Seite mindestens fünf Wörter nachschlagen.
So … und mein eigenes Werk? Schlurft noch etwas, aber kommt voran. Bis Ende Februar werden es fünfzig Seiten sein. Statistisch betrachtet um die Hälfte zu wenig, aber ich denke im ersten von vier Monaten kann man sich ein langsames Anrollen gestatten. Außerdem ist der erste Teil ja bekanntlich der in dem verdammt anspruchsvolle Aufgaben zu lösen sind, wie
- Einführung des Protagonisten und der wichtigen Nebencharaktere
- Erweckung von Lesersympathie für besagten Protagonisten
- knappes Umreissen der Ausgangswelt
- Erzeugen eines ersten Spannungssogs
Nach Aussagen von meiner Frau, die alles sofort lesen muss, klappt das schon ganz gut. Außerdem lasse ich den Figuren, wie bereits berichtet, mehr Raum zur Eigenentwicklung, was dazu führte, dass ein wichtiger Nebencharakter sich selbst für überflüssig erklärt hat und noch vor Eintritt in die Handlung spurlos verschwunden ist. Daneben gab es bereits ein paar echte Tote. In meiner neuen Geschichte wird es zumindest am Anfang noch einmal deutlich rauer als in Asylon, denke ich.
Motivierend wirkt, dass das neue Cover, das ich leider noch geheim halten muss, schon neben dem Asyloncover als Poster an meiner Wand hängt. Irgendwie aber auch komisch, weil es bis jetzt ja quasi nur eine fast leere Hülle ist. Die Verpackung ist schon fertig, aber das Produkt habe ich gerade einmal angefangen. Man kommt sich ein bisschen wie ein Rosstäuscher vor. Kennt irgendwer dieses Gefühl?
Ich wünsche mir selber, dass im März mehr Tempo in die Schreibe kommt und mehr Einträge in dieses Blog.
Hilfreich wird sicherlich sein, dass mein kleiner Würmling die KiTavorbereitung beginnt und die Wohnung damit für einige wenige Stunden kanarienvogelfrei ist (er hat gerade sein Faible für die Erzeugung hochfrequenter Quietschgeräusche entdeckt; wir erwägen, ihn - statt der angepeilten Karriere als Werbegöre - als U-Boot-Sonar zu vermieten.
Heute habe ich leider wieder nur ein bisschen Korrigiererei geschafft (die ich ja eigentlich gar nicht mehr machen wollte), denn gleich gehts zum Sport. Der hilft mir immer kolossal beim Lösen von Kreativitätsblockaden. Vor allem Joggen in freier Natur ist in dieser Hinsicht unschlagbar. Ich habe dann immer das Gefühl, dass die literaturkritischen Instanzen im Hirn die ersten sind, die dabei in ein Anstrengungskoma fallen. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum die genialen Ideen, die mir beim Laufen einfallen, reichlich nach Abschluss des Parcours nicht mehr halbso genial klingen, wie noch während des Sports. You know what I mean?
So, mein dicker Kater Dagguh, der wie immer auf meinem Laptop liegt, um alle Selbstkühlversuche des Motherboards zunichte zu machen, zeigt mir seinen überbreiten Bauch, was soviel bedeutet wie: “Kraul mir, Du dusseliger Zweibeiner.”
Also, bis zum nächsten Mal.
Euer Schommes