Diese Geschichte spielt in den Anfängen »meiner« Welt. Drais, auch Nachtschatten genannt, der Herr der Dunkelheit, und Plenydd, der Herr des Lichtes, führen Krieg gegeneinander und hetzen ihre Priester und Ordenskrieger gegeneinander auf. Licht und Dunkel bekriegen sich, ein immerwährender Kampf. Teyúsu, einer der obersten Generäle des lichten Gottes, sieht ein, daß ein Kampf nichts bringt, da eine Seite ohne die andere nicht existieren kann, und weigert sich, seine Truppen gegen den geschwächten Herrn der Dunkelheit zu führen. Plenydd verbannt seinen ungehorsamen General und hält ihn in einer unterirdischen Kammer gefangen, die Dunkelheit wird vernichtend geschlagen.
Jahrtausende später, Drais ist inzwischen neu erwacht, mischt sich ein weiterer Gott ein - der »Graue«, oberer aller Götter und Bewahrer des Gleichgewichtes...


Teyúsu in Ketten

von Kristina Siers


Das letzte, woran er sich erinnern konnte, war der Sturz, dieser äonenwährende Fall durch Licht und Finsternis. Sein Geist war umfangen von Schmerz, da war nichts mehr in seinen Gedanken, nur dieser Schmerz und der beginnende Wahnsinn. Das Wissen, das sich durch ihn hindurchfraß, das Wissen, gebannt zu sein, gefangen. Gefangen für immer, gebunden mit den versiegelten Fesseln der Hölle. Er zahlte den Preis für seine Taten. Er, der Engel des Lichtes, der Sendbote Plenydds, der strahlende Glanz der Götterwelt, hatte es gewagt, sich gegen sein Schicksal zu stellen, er hatte den Einen herausgefordert, der die Welt lenkt und formt, indem er NEIN sagte zu seinen Forderungen, wieder und wieder NEIN. Und indem er sich geweigert hatte, das Heer des Lichtes gegen die Finsternis des Schattenlords zu führen, hatte er seinen Herrn verraten.
Ewigkeiten vergingen. Die Magierkriege, die Schlachten der Götter, gerieten in Vergessenheit, die Zeit, die Welt, das Schicksal, die Mächtigen, sie vergaßen den Verbannten unter seinem magischen Siegel. Doch er wartete. Noch immer wartete er, geschwächt, leidend, gefangen in einem Zustand zwischen Leben und Tod. Er wartete. Für immer.
Woher habe ich gewußt, daß die Finsternis niemals besiegt werden darf, wenn auch das Licht nicht fallen soll und mit ihm die ganze Welt? Warum war ich mir so sicher, daß das, was ich getan habe, richtig war? Ich kann mich nicht erinnern...Meine Erinnerungen verblassen und mit ihnen meine Kräfte...diese Fesseln zehren an mir...aber unsterblich wie ich bin kann ich nicht sterben, nur immer schwächer werden und vergehen...gefangen bleiben in diesem Alptraum aus Ketten, Kälte und Schmerzen...wie lange schon rinnt das Blut von meinen Händen, von meinem Körper, wie lange schon fließen Tränen aus Blut meine Wangen herab? Ich weiß es nicht...Mir ist kalt...ich kann nichts sehen in all dieser Schwärze...bin ich blind? Haben sie mir die Augen verbunden? Darf ich nicht mehr sehen, was geschieht? Soll ich denn niemals mehr fliegen? Schicksalslenker, sei gnädig...laß mich sterben...laß mich endlich sterben!
»Bitte...macht ein Ende...laßt mich sterben...«
Drais schreckte aus dem Schlaf. Er sah sich um in den tiefen Schatten seines Gemachs und lauschte in die Dunkelheit. »Wer bist du?« Sein eigenes Flüstern kam ihm donnernd laut vor in der Stille der ewigen Nacht seiner Welt.
Als keine Antwort kam, schloß er die Augen, versank ganz in sich selbst und sandte seine Gedanken aus. Wer bist du? Warum rufst du mich?
Und diesmal hörte er sie wieder, diese sanfte, flehende Stimme, tief in seinen Gedanken. Ich bin niemand...ich bin ein Gefangener der Ewigkeit. Und ich habe Euch nicht gerufen...ich rufe schon seit Äonen nicht mehr...aber Ihr...hört mich? Ihr könnt mich hören?
Die Stimme klang überrascht und zitterte vor Erwartung - einer Erwartung, die schon viel zu oft enttäuscht worden war. Eine Stimme, die etwas in der nachtumwobenen Seele des Dunklen Gottes berührte. Ja, ich kann dich hören.
Endlich...ich habe kaum mehr zu hoffen gewagt...bitte...oh, bitte, tötet mich...macht meinem leiden ein Ende...ich ertrage es nicht mehr...ich will nicht mehr leben, nicht mehr hier in der ewigen Finsternis existieren...ich ertrage meine Fesseln nicht mehr, nicht diese Kälte...bitte... beendet es...

Mit einem leisen Seufzen verwehten die leisen Worte, und es war wieder still. Angespannt lauschte Drais in die Dunkelheit, aber es blieb still. Nichts.
Drais ließ sich auf sein breites, mit schwarzem Samt, seidigen Fellen und blutrotem Samt verkleidetes Bett zurücksinken und schloß die Augen wieder. Ein Traum. Eine erwachende Erinnerung aus der Vergangenheit vielleicht...nichts, das wichtig wäre... Er schließ wieder ein, aber diesmal war sein Schlaf unruhig und von selbst für ihn, den Herrn des Chaos, wirren Träumen durchzogen. Es kam nicht oft vor, daß in seinem schlafenden Geist die Vergangenheit lebendig wurde. Meist träumte er die schemenhaften Bilder aller möglichen Zukunftswege, die er dann nach seinem Gutdünken weben und zusammenfügen würde. Doch in dieser Nacht träumte er, was bereits vor Ewigkeiten dunkle Vergangenheit war. Drais träumte die alten Kriege, die Schlachten der Magier, in denen Elben und Menschen mit Mächtigen und Göttern Seite an Seite gekämpft hatten.

Er stand am Rande des Schlachtfeldes, eingehüllt in seine Rüstung aus geschwärzten Kettengliedern, neben sich Schattenblut, sein mächtiges Schlachtroß, gerüstet wie er selbst und auf der Stirn eine Schutzplatte mit einem mächtigen Horn aus Stahl, das ihn wie das Zerrbild eines Einhorns aussehen ließ. Die Schlacht stand nicht gut für ihn. Seine Schattenheere wurden mehr und mehr zurückgedrängt von den lichtleuchtenden Heerscharen seines Bruders Plenydd. Ein Bote kam auf ihn zugestolpert, b lutüberströmt und dem Tode nahe brach er zu Füßen des Dunklen zusammen und stieß mit letzter Kraft seine Unheilsnachricht hervor. »Sie kommen...der Engel des Lichtes selbst soll sie anführen...« Er hustete, erbrach einen Schwall schwarzen Blutes und lag still.
»Ich danke dir...«, murmelte Drais.
Er schwang sich auf Schattenbluts Rücken, ließ den mächtigen Hengst über den toten Körper hinwegschreiten und setzte sich an die Spitze dessen, was von seinem Heer übriggeblieben war. »Sie kommen«, sagte er leise, doch seine Stimme erreichte jedes Ohr in seinem Gefolge. »Dies wird unsere letzte Schlacht sein. Geben wir, was wir haben. Ich werde euch selbst führen.«
Jubel brach los, der ein bitteres Lächeln auf Drais' schönes, kaltes Gesicht zauberte. Sie würden ihm folgen, sich für ihn opfern, die Pfeile, die für ihn bestimmt sein würden, mit ihren eigenen schwachen Körpern abfangen - sie, seine Dämonen, Ordenskrieger und Priester. Doch würden sie auch noch so treu ergeben sein, wenn sie den sahen, den Plenydd als letzten Trumpf gegen ihn schickte? Ihm blieb keine Zeit, darüber nachzudenken. Sie kamen.
Wie schön...wie schön das Unheil sein kann... Diese seltsamen Gedanken waren das erste, was Drais in den Kopf schoß, als er seinen Gegner sah. Mein Bruder, zu feige, mir selbst gegenüberzutreten an der Spitze seiner Streitmacht...er schickt seinen Boten...
»Unser Herr möge gnädige Nacht schicken...es ist Lord Teyúsu!« Der Name ging wie ein Raunen durch Drais' aufgeriebene Schlachtreihen und ließ denen, die ihn hörten, das finstere Blut in den Adern gefrieren. Teyúsu, der Lichtengel, Plenydds General, sein vertrauter, sein Arm, sein Schwert. Schön und grausam wie das Licht seines göttlichen Herrn, seine weiße Rüstung strahlte von Glanz und Gold, Wind fuhr durch seine mächtigen Schwingen, zerrte an der Mähne des großen silbrig schimmernden Einhorns, das er ritt. Drais nickte und lächelte. Langsam ritt er dem unheilvollen Licht entgegen und zwang sich, seinen Boten anzusehen, auch wenn es ihm die Seele versengte. Schwarz und Weiß trafen sich auf der Mitte des Schlachtfeldes und sahen einander in die Augen. Drais war größer als Teyúsu, er war der Gott, der andere nur ein Bote, und dennoch - geschwächt und halb geschlagen wie er war, hatte er Mühe, nicht vor Plenydds Heerführer den Kopf zu senken. »Keine großen Worte, General«, sagte der Dunkle leise. »Es ist schon beinahe vorbei. Bringen wir es zuende.«
Unergründliche grünblaue Augen, eine seltsame Mischung aus Smaragd mit dem Schimmer von Saphir und Aquamarin, bohrten sich in seine schwarzen, den Nachthimmel widerspiegelnden. Teyúsu schwieg. Nur eine Geste seiner schmalen, feingliedrigen Hand, und das Heer des Lichtes wich Schritt um Schritt zurück.
»Was soll das? Wollt Ihr mich zum Narren halten? Nimmt mein edler Bruder mir nun auch noch die Ehre, auf dem Schlachtfeld zu fallen?« Drais' Augen sprühten Funken, seine wutzitternde Hand umklammerte den Griff seines mächtigen schwarzen Schwertes. Schattenblut scharrte ungeduldig mit den großen Hufen, während Teyúsus Einhorn so ruhig stand, als wäre es aus Stein gemeißelt. Teyúsu lächelte. »Ich hatte niemals vor, zu kämpfen, Lord Drais. Bringen wir es zuende, aber auf meine Art. Ich werde mich zurückziehen. Ich will nicht derjenige sein, der Euren Stolz zu Fall bringt.«
»Warum beleidigt Ihr mich, General?« Das Schwert schon halb aus der Scheide gerissen funkelte Drais den Lichtengel an. »Wagt es nicht... ich reiße Euch das Herz heraus und trinke Euer Blut, noch bevor Ihr den ersten Buchstaben des Namens meines Bruders ausgerufen habt!« Das Lächeln schwand aus Teyúsus Gesicht und machte einer tiefen Traurigkeit Raum, die Drais mehr irritierte als dieses seltsame Zögern. Nur eine Handbewegung, und der Brustpanzer des Generals fiel mit einem dumpfen Scheppern zu Boden. Teyúsu zog das goldene Band aus seiner Tunika und entblößte eine perlmuttbleich schimmernde Brust.
»Dann stoßt zu, Lord Drais. Ich bin nicht gekommen zu kämpfen.«
Was dann geschah, war nichts als verwirrendes Chaos aus Schreien, Kampflärm, Blut und Schmerz. Ein Chaos, das damit endete, daß Drais sich geschlagen und besiegt, nur noch ein Schatten seiner Selbst, zurückziehen mußte. Plenydd verbannte seinen verräterischen General und schickte ihn gebunden und zerschlagen in die tiefsten Finsternisse, die allen gefallenen Engeln vorbehalten waren...

Wieder schreckte Drais aus dem Schlaf. »Im Namen des Grauen...«, flüsterte er tonlos, »ich erinnere mich...ich erinnere mich an deine Stimme...« Er verließ sein Gemach, verließ seinen Palast. Schattenblut trug ihn in die tiefsten Abgründe der Dunkelheit. An Orte, die auch der Fürst der Höllen selbst nur selten betrat. Er wußte, was er zu tun hatte, auch wenn er sich nicht sicher war, ob es wirklich das Richtige war.
Drais selbst hatte diesen Ort so lange gemieden, daß er kaum noch wußte, welchen Weg er nehmen mußte. Allein sein Instinkt leitete ihn bis zu dem mächtigen Tor, hinter dem der Ort lag, an den damals Plenydd voller Zorn seinen ergebensten Diener verbannt hatte. Wächter standen davor, nicht Licht und nicht Schatten. Boten des Schicksalslenkers selbst waren sie, standen außerhalb der Befehle von Hell und Dunkel, ergeben nur dem Schicksal, das sie damals vor dieses Tor gestellt hatte, auf daß sie bewachten, was dahinter lag. Keiner außer dem Schicksal selbst und seinen Wächtern würde es wagen, sich einem Gott in den Weg zu stellen - sie taten es und traten Drais entgegen, der sich elegant von Schattenbluts Rücken schwang und dem Hengst mit einem einzigen geflüsterten Wort zu warten gebot. Wie eine Statue, überzogen mit glänzendschwarzen Pferdefell, blieb das Tier stehen.
Leise hallten die wispernden Stimmen der Wächter in Drais' Bewußtsein. Ihre Kälte ließ ihn schaudern. Ich komme, um das Siegel zu brechen. Noch bevor Drais darüber nachdenken konnte, was er den Wächtern sagen wollte, hatte er diese Worte bereits ausgesprochen. Wir können Euch nicht durchlassen. Wir dürfen niemanden passieren lassen, der nicht im Namen des Einen kommt. »Im Namen des Einen, so...« Ein ironisches Lächeln kräuselte seine Mundwinkel. Und im gleichen Augenblick vernahm er eine weitere Stimme, sehr eindringlich und ausgesprochen vertraut.
Mein Sohn und mein Bruder, du weißt, daß sie nicht MICH meinen...dennoch antworte ihnen, was sie hören wollen. Ich spüre unermeßliches Leid an diesem Ort, Leid, das geschehen ist, weil eine Seele verstanden hat, was Licht und Dunkel allein nie verstehen werden...auch wenn du, Sohn und Bruder, schon auf dem richtigen weg bist. Deswegen will ich ihn, der hier gefangen liegt, in deinen Händen sehen.
Drais erschauerte. »Val-Hereen«, flüsterte er, so leise, daß die Wächter ihn nicht hören konnten. Ein leises Lachen erklang in seinem Geist, ein Gefühl von Zuneigung überfloß ihn wie eine warme Welle.
Ich bin es, Sha'Morann...tu, was ich dir gesagt habe. Ich stehe am Rande des Schicksals. Eine kleine Zeit lang kann ich dich decken.
»Ich komme im Namen des Einen«, sagte er mit klingender Stimme, »Laßt mich passieren!« Als die Wächter zögerten, hob Drais die Hände, die in silberblauem Feuer glühten. »Im Namen des Einen... ich habe die Macht, Euch zu befehlen!« Und diesmal wichen die Wächter. Das mächtige dunkle Tor schwang auf. Langsam betrat Drais das Gefängnis des Gefallenen Engels.
Finsternis umgab den dunklen Gott, doch seine scharfen, nachtgewöhnten Augen durchdrangen sie mühelos. Leise Geräusche wehten ihm entgegen, das Klirren metallener Ketten, das Knirschen von Leder und ein kaum wahrnehmbares, schmerzerfülltes Ringen nach Atem. Etwas Weißes lag auf dem kalten Steinboden verteilt. Drais bückte sich nach einem der schimmernden Gegenstände und hob eine weiße Feder auf. Federn. Überall lagen weiße Federn, einige von ihnen blutbefleckt, einige achtlos zertreten, einige jedoch noch glänzend, als wären sie eben erst ausgefallen... oder ausgerissen worden. Langsam trat der dunkle Gott näher, dem Zentrum des runden Raumes entgegen.
Er sah die magische Barriere, den Bannkreis, bevor er ihn berührte. Die Luft war durchzogen von einem feinen Netz blauleuchtender zuckender Blitze, das Flackern verwirrte sein Auge, und dennoch sah er das Bild des Jammers, das sich bot.
Drais war gewöhnt an den Anblick von Folter und Gefangenschaft, das Gefühl, fremden Schmerz zu spüren, konnte ihn ebenso erregen, wie fremde Furcht und fremde Qual, aber das hier ließ sogar den Dunklen Gott erschauern.
Er sah gebrochenen Stolz, geschundene Schönheit, einen zerschlagenen Willen und eine gequälte Seele, die sich ihrer Freiheit beraubt nur noch den Tod wünschte.
Ein Name schoß ihm durch den Sinn, begleitet von einem Bild aus tiefster Vergangenheit.
Teyúsu...
War diese gepeinigte Kreatur alles, was von Plenydds stolzem Boten übrig geblieben war? An zwei steinerne Säulen gebunden hing er mehr da, als daß er stand, Hände und Füße mit Eisenringen und Ketten gefesselt, die perlmuttbleiche Haut darunter aufgerieben und blutend, rostrote Rinnsale tropften an kraftlosen Armen und Beinen herab, und alles, was von den prächtigen weißen Schwingen geblieben war, war das mit bleicher, rissiger und blutender Haut überzogene Skelett, auf dem nichts mehr war als ein paar glanzlose Federn und blutbesudelte Daunen. Das lange, silbrige Haar hatte seinen Schimmer verloren und wirkte matt und grau, überzogen mit Staub, der schlanke, katzenhaft geschmeidige Körper, mit nichts bedeckt außer einem fadenscheinigen Lendentuch, war nur noch Haut und Knochen. Striemen wie von Peitschenhieben oder Klauen zogen sich über Brust und Rücken, und überall war Blut. Mit jedem Atemzug, den Drais tat, drang der metallische Geruch in seine Nase.
Im Namen des Grauen Gottes...das hier ist... Unwürdig. Selbst wenn er ein Verräter ist, drang Val-Hereens Stimme an das Ohr des Dunklen Gottes. Nimm ihn, Sohn und Bruder, und bring ihn von hier fort. Noch lassen die Wächter sich täuschen. Dieses eine Mal helfe ich dir und stelle mich gegen Licht und Schicksal, denn wenn Teyúsu nicht gewesen wäre, hätte ich einen Teil von mir für immer verloren.
Val-Hereens Worte halten in Drais' Gedanken. Er konnte nicht antworten, er konnte nur stumm nicken, wissend, daß der Graue fühlte, was er selbst fühlte.
Langsam trat er an den Gefesselten heran und berührte ihn sanft, schob eine Hand unter sein Kinn und hob das blasse Gesicht in das matte Licht, das er zu rufen imstande war.
Die smaragdfarbenen Augen waren geschlossen, auf den schmutz- und blutbedeckten Wangen waren deutlich feine Tränenspuren zu sehen. Er schien die Berührung nicht zu spüren, denn er hing ohne jede Regung leblos in den Fesseln. Die Haut fühlte sich unter Drais' brennenden Händen kalt an, doch der Dunkle war sich sicher, der Gefangene lebte. Noch einmal strich er sanft, fast zärtlich, über das mattgraue Haar, dann hob er die Hände, murmelte Worte der Macht, und die Fesseln zersprangen mit einem harten, metallischen Klirren. Teyúsu fiel.

(c) by Kristina Siers


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