Dieser Text ist im Herbst 2000 entstanden, und ich hielt ihn für meine eigene Erfindung. Die doubladirischen »Argumente« ein gute zwei Jahre später beinahe wörtlich zu hören, aus dem Mund eines bartlosen Amerikaners, hat mich sehr entsetzt. Meinen Lesern scheint es nicht aufgefallen zu sein - jedenfalls hat mich noch niemand darauf angesprochen. Aber ich finde die Parallelen frappierend, und nun hänge ich an der Stelle, wo ich den eigentlichen Krieg beschreiben muß. Und ich möchte ihn am liebsten wieder absagen, um zumindest auf dem Papier einen Krieg verhindern zu können.


Die Gerechte Rache

von Maja Ilisch


Schwerter klirrten, Eisen auf Eisen, während ein Mann mit schwere Schritten in den Thronsaal trat. Er trug schwarze lederne Hosen, Stiefel und Wams ebenso wie schwärzliche Eisenplatten und einen Helm. Das Gesicht über dem kurzen schwarzen Bart war gerötet - es sah aus wie vor Anstrengung, aber da schnappte Anders an seiner Seite nach Luft, und Halan wollte lieber nicht wissen, was er da gefühlt hatte.
»Lorimander, ich verlange eine Erklärung!« brüllte der Mann, und drohend hob er sein Schwert, als sich ihm königliche Wachen näherten. »Oh nein, ihr werdet mich nicht angreifen, denn wenn noch ein doubladirischer Botschafter durch Loringarils Hände fällt, wird Vigilander seine Armee marschieren lassen, ohne noch eine Frage zu stellen.«
Mit einem Wink beförderte Harven seine Soldaten aus dem Saal. »Sagt, was Ihr zu sagen habt, Ansgar«, sagte er leise und drohend, »und dann verschwindet!«
Halan zuckte zusammen. Zwar hatte er den Schwarzbärtigen noch nie gesehen, zum Glück, aber es gab keinen Zweifel mehr, wer er sein mußte: Doubladir, als einziges Land, verfügte über einen Kriegsbotschafter, und der Name dieses Mannes war Ansgar. Erschrocken dachte Halan daran, daß Vigilander der Engel der Rache war, Hüter des Schwertes, und daß man vor zwei Wochen einen seiner Botschafter erschlagen hatte.
»Was hat -«, begann Ansgar mit grollender Stimme, aber weiter kam er nicht. Der König sprang auf.
»Nein!« rief er. »Ich will ihn nicht hören.«
»Aber Majestät«, sagte Harven leise, und daß ließ Halan aufhorchen, denn das bedeutete, daß der König Worte aus seinem eigenen Mund sprach, Worte, die niemand anderes vorher hineingelegt hatte. »Es ist wichtig. Ihr solltet zuhören.«
»Er soll warten«, entgegnete der König. »Erst ist mein Verbündeter an der Reihe.«
Es war nicht klar, wer von den Anwesenden entgeisterter reagierte, aber es war Ansgar, von dem der Ausruf »Was?« kam. Der König ließ sich nicht beirren. Plötzlich wirkte er nicht mehr wie eine Puppe, sondern stolz, sogar würdevoll.
»Mein Verbündeter, Alexander. Wir sind schon lange mit dem Wasser verbündet. Ich werde ihn nicht warten lassen.« Freudig lächelnd, als erwarte er ein Lob, blickte sich Lorimander zu seinen Beratern um. »Das war doch jetzt richtig, oder?«
Harven antwortete nicht, sondern drehte nur vielsagend die Augen nach oben und nickte Ansgar zu. In diesem Augenblick haßte Halan ihn mehr als jemals zuvor. Er hätte normalerweise ohne Zögern Doubladirs Botschafter als Verbündeten und Lorimander als Feind bezeichnet, aber jetzt überlegte er fast, diesen König zu verteidigen. Aber das zu tun hätte bedeutet, ihre suche zu verraten -
»Lorimander hat Recht«, sagte Anders freundlich. »Euer Anliegen, und ich kann mir denken, welches es ist, mag wichtig sein, aber das meine ist nicht weniger dringend, und ich war vor Euch hier. Also seid so gut und verlaßt diese Halle«, hier wurde seine Stimme lauter, und härter, »und wartet draußen, bis der König und ich zuende gesprochen haben.«
Das, was in Ansgars Augen Anders entgegenfunkelte, wollte Halan nicht Haß nennen, aber er kannte kein anderes Wort dafür. »Welches Spiel Ihr spielt, Alexander, werdet Ihr mir noch erklären. Ich will wissen, was hier vorgeht.«
»Ihr werdet warten«, erwiderte Anders. »Ihr überschätzt euch und Euer Amt, daß Ihr hier aufmarschiert und erwartet, daß jeder Euch erkennt und sich furchtsam hinter den Wandbehängen versteckt, aber Ihr überseht, daß Ihr es hier mit Engelsgeborenen zu tun habt.«
Ansgar hob die Hände und rang sichtlich mit seiner Fassung. Danach sagte er ruhiger: »Eure Geburt bedeutet nichts in diesem Moment, Alexander, solange es darum geht, einen Toten zu rächen.«
Halan konnte sehen, wie Anders’ Zorn zurückkehrte, mit einem Schlag. »Ihr wagt es nicht, mir das noch einmal ins Gesicht zu sagen!« 
Ansgar achtete nicht auf die Zeichen - er mußte sie wahrnehmen, selbst ein Blinder hätte diese Wut sehen können. »Jetzt schweigt, zumindest solange, bis ich meine Frage gestellt habe - sie betrifft Euch genauso wie mich, und es ist gut, daß ich Euch beide an einem Ort treffe -«
Halan faßte Anders bei den Schultern, zog ihn dicht an sich und hielt ihn fest, hielt seine Arme fest, bevor er sich auf den Berater stürzen konnte, denn das wäre keinen Moment später geschehen. Er traute sich nicht, etwas zu sagen - er fühlte die Augen, die in diesem Moment auf ihm lagen, und es war schlimm genug, daß er wußte, was sie in diesem Moment dachten. Über Anders Schulter hinweg blickte er ins Nichts, sah weder den Jungen an noch einen der anderen, aber seine Nähe, seine Wärme spüren in diesem Moment … Halan wußte, daß es falsch war, schlimmer als jeder Fehler, den er in seinem Leben begangen hatte, denn diesmal wußte er es schon von Anfang an besser - aber er fühlte, was er nicht fühlen durfte. Halan schluckte, zwang sich, Anders ganz beiläufig festzuhalten, wie man es tat, um Zusammengehörigkeit auszudrücken, nicht mehr, und nicht weniger, und blickte dann von Harven zu Ansgar. »Zwischen uns soll keine Zwietracht herrschen, Kriegsbotschafter. Alexander und ich haben lange auf die Möglichkeit, mit Lorimander zu reden, gewartet, aber die Fragen, die wir ihm stellen werden, zielen in die gleiche Richtung wie die, welche Euch so sehr auf dem Herzen brennen.« Die Worte entspannten ihn. Halan spürte, wie er ruhiger wurde. »Also akzeptiert, daß Ihr erst als zweiter gekommen seid, aber laßt uns Eure Fragen an Eurer Statt stellen.«
Ansgar lachte mit einer Mischung aus Überraschung und Bitterkeit. »Oh ja, Ihr kennt meine Frage - schließlich wart Ihr selbst dabei, als es geschah, habt das ganze selbst mitverschuldet, auch wenn Ihr es nicht für nötig gehalten habt, eine Erklärung, geschweige denn ein paar Zeilen des Bedauerns, an meinen König zu senden - also los, stellt meine Fragen!«
Anders brodelte immer noch unter Halans Händen - wenn er keine Gelegenheit zum Ausbrechen bekam, würde er lange so bleiben - aber Halan war ruhig, und ohne den Blick von Ansgar zu nehmen, sagte er: »König Lorimander, ein Mitglied Eurer Familie erschien als Gast zu meines Onkels Krönung, in Begleitung eines Beraters, Ember von Valon. Einen Diener, der mit ihnen kam, aber nicht mit ihnen ging, verdächtigen wir, in Embers Auftrag, oder in Eurem, Harven, Korisanders Krone der Weisheit gestohlen zu haben. Aber es besteht kein Zweifel, Lorimander, daß Euer Verwandter in dieser Nacht grundlos Selmar, den Botschafter von Doubladir, erschlug. Darum sind wir nun hier - um eine Auslieferung der Schuldigen zu fordern. Und da Vigilander seinen Kriegsbotschafter geschickt hat, wißt Ihr, was Euch andernfalls erwartet.«
Ansgar neigte den Kopf. »Ihr habt wohl gesprochen, Harold. Bitte entschuldigt meine etwas zu schroffen Worte. Aber Vigilander hält nichts von Heuchelei, und sei sie um des Blutes Willen.«
Danach herrschte Schweigen. Man hatte dem König noch keine geeignete Antwort eingegeben, und Harven, an dem nun alles hing, schien noch abzuwägen zwischen Lüge und Wahrheit. Noch nie zuvor hatten sie das Gesicht des Beraters so besorgt gesehen.
Harven kam auf sie zu, kopfschüttelnd. »Aber wenn Ihr das sofort bei Eurer Ankunft gesagt hättet, Alexander! Ich kann verstehen, daß Ihr aufgebracht seid, und auch Ihr, Ansgar - aber es so lange herauszuzögern, macht doch alles nur noch schlimmer, denn solange dieses Mißverständnis nicht aus der Welt geschafft ist, laufen die wahren Schuldigen ungestraft herum.«
»Mißverständnis?« Anders schrie dieses Wort nicht, aber er spie es Harven entgegen. »Mißverständnis nennt Ihr das?«
»Bitte«, sagte Harven. Sein Gesicht blieb bekümmert, und doch fehlte nicht mehr viel zu seinem lächeln. »Bitte, laßt mich ausreden. Wir brauchen Ruhe, um diesen Irrtum aufzuklären.« Er machte eine Pause, aber dieses Mal schwieg Anders, seine Muskeln unter Halans Händen hart wie Marmor. »So sehr wir dieses Versäumnis auch bedauern, ist doch kein Mitglied unseres königlichen Hauses bei Eurer so freudlos beendeten Krönung gewesen, Alexander. Und einen Berater mit Namen Ember von Valon hat es an diesem Hof nie gegeben.«

*******

Zwischen Stille und Schweigen gab es einen Unterschied. Schweigen war, wenn man seine eigenen Gedanken hören konnte. Erstaunlicherweise nahm Alexander es sehr gelassen. Er dachte nicht daran, diesem unverschämten Lügner von einem Berater an die Gurgel zu gehen. Und auch alle anderen verhielten sich ruhig, unglaublich ruhig, ungläubig ruhig. Ich frage mich, wer von uns beiden als erster lacht, dachte Alexander. Harven konnte nicht wirklich die Frechheit besitzen - vielleicht war der Name Ember von Valon falsch, es hätte Alexander zumindest nicht gewundert, und dann hatte Harven in diesem Punkt sogar die Wahrheit gesagt. Aber wie auch immer er hieß, dieser Mann war da gewesen, in Begleitung eines Engelsgeborenen, der von keinem anderen Blut als Lorimanders stammen konnte. Und wenn auch nicht zu beweisen war, daß Ember Alexanders Krone gestohlen hatte - es gab Zeugen für den Mord, der in jener Nacht geschehen war. Jeder wußte es, jeder hatte es gesehen - und Harven wagte es, ihnen ins Gesicht zu lachen und die pure Existenz dieser beiden Besucher abzustreiten?
Aber dann mußte Alexander an Halan denken, an Halan, der ihm ins Gesicht lachen konnte und sagen, in der Nacht sei überhaupt nichts zwischen ihnen passiert, alles nur Einbildung, guten Morgen. Weder Harven noch Halan waren dumm, noch konnten sie Alexander dafür halten, aber … Harven würde sie so lange belügen, bis sie den einzigen Zeugen anbrachten, den er akzeptieren würde: Sich selbst. Man konnte Selmars Leichnam anschleppen mit dem bis zur Unkenntlichkeit zerschmetterten Schädel, man konnte den Prinzen Lorimander in die Halle schleifen, seine Hände und sein Schwert besudelt vom Blut eines anderen, und doch würde Harven damit fortfahren, alles lächelnd abzustreiten, und er war das Recht, zumindest in diesem Land, in diesen Mauern, und er würde weiterlächeln bis in alle Ewigkeit, bis man ihn zwang, die Wahrheit mit eigenen Augen zu sehen.
Niemand lachte. Nicht einmal Halan machte Alexander jetzt diese Freude, obwohl sein Lachen sie jetzt alle hätte retten können. Das Schweigen waberte durch den Raum; es hätte auch in Anwesenheit einer Totenmagd nicht drückender sein können.
Niemand lachte. Alexander wußte, daß er nicht derjenige sein würde, der damit anfing. Es war Ansgar, der die Stille brach, aber wenn auch erbitterter Hohn aus seinen Worten sprach, war ein erlösendes Lachen danach ferner denn je. Der Kriegsbotschafter blickte nicht Harven an und nicht den König, aber Halan und Alexander.
»Nehmt zur Kenntnis, daß soeben Loringaril Doubladir den Krieg erklärt hat, nicht umgekehrt.« Ohne eine Reaktion abzuwarten, machte er auf der Ferse kehrt und marschierte zur Tür.
Halan lief hinter ihm her, und so tat es Alexander, obwohl er wußte, daß er es nicht aus Interesse tat oder dem Wunsch, einen Krieg zu verhindern, sondern weil er es nicht ertragen hätte, von Halan getrennt zu sein, und sei es durch eine Tür.
Das Schauspiel, daß sich ihm auf dem Gang bot, war beängstigend. In beiden Richtungen standen Männer mit Schwertern, ruhig wartend, aber wartend auf nicht mehr als einen Wink, auf ein Nicken. Ihre Rüstungen waren schwarz wie Ansgars, ihre Gesichter nicht weniger grimmig. Zielstrebig ging der Kriegsbotschafter auf einen zu, der nahe bei der Tür zum Thronsaal stand und der ein Hauptmann zu sein schien.
»Wartet!« rief Halan. Ansgar blieb stehen und drehte sich unwirsch um. »Überstürzt es nicht!«
»Was wollt Ihr von mir?« grollte Ansgar, und er nickte seinem Hauptmann zu. Es war die Geste, auf die alle gewartet hatten.
»Ich weiß, daß er Euch brüskiert und angelogen hat«,. Sagte Halan schnell. »Einer der Verwandten des Königs hat Euren Botschafter erschlagen, auch daran gibt es keinen Zweifel. Aber müßt Ihr deswegen gleich einen Krieg anfangen?«
»Mit Verlaub, Ihr versteht mich nicht«, erwiderte Ansgar. »Diese unverschämte Beleidigung war eine Kriegserklärung. Es ist nun an uns, darauf zu reagieren.«
Alexander fragte sich, was Koris wohl an seiner Stelle getan hätte. »Und da Ihr jetzt schon mit Euren Männern im Schloß seit, habt Ihr nicht mehr viel zu tun, als alle Bewohner zu töten und die Fahre von Doubladir zu hissen«, sagte er leise.
Ansgar starrte ihn an, plötzlich entgeistert. »Wir befinden uns im Krieg«, sagte er. »Wir sind keine Mörder. Auch in einem Krieg herrschen Gesetze. Die Regeln verlangen, daß ich zu meinem König zurückkehre und ihm von Lorimanders Antwort berichte. Dann erst werden wir mit unserem Heer gegen Loringaril marschieren.«
Jetzt konnte Alexander ein Lachen nicht mehr unterdrücken, es platzte einfach aus ihm heraus. »Das ist absurd!« rief er. »Ihr könnt jetzt gewinnen, ohne viele Männer zu verlieren und ohne viele töten zu müssen. Aber wenn Ihr es jetzt erst noch künstlich herauszögert -«
Halan trat hinter ihn und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er sagte nichts, aber Alexander verstummte. Er fühlte Wut in sich, ohne zu wissen, wessen es war, als Ansgar auf ihn hinunterblickte wie auf einen kleinen Jungen.
»In einem Krieg geht es nicht darum, Leben zu schonen, Alexander, und wenn Ihr Euch dafür entscheiden solltet, um Eure Krone zu kämpfen, werdet Ihr das schnell lernen müssen. Im Krieg, wie in der Rache, geht es um Würde und Ehre. Iriander mit seinem Dolch mag sich anschleichen wie ein Mörder und einen Gegner beim Überbringen der Kriegserklärung niederstrecken, um im gleichen Moment wieder den Frieden auszurufen. Aber Vigilanders Zeichen ist das Schwert, Zeichen der gerechten Rache, und der Ehre.«
Alexander biß die Zähne zusammen. »Ich danke Euch für diese Belehrung, Kriegsbotschafter«, stieß er hervor. Er wußte es besser, als daß er Ansgar geohrfeigt hätte, aber ihm war danach. »Und welchen Ratschlag habt Ihr nun für mich, nachdem Ihr meine Audienz mit Lorimander auf so treffliche Weise gestört habt, o Mann der Ehre?«
Ansgar gab vor, die Spitze zu überhören. Statt dessen verzog sich sein bärtiges Gesicht zu einem Lächeln, daß vielleicht väterlich wirken sollte. »An Eurer Stelle würde ich dieses Land verlassen, so schnell es geht. Noch ist dies ein Krieg zwischen Doubladir und Loringaril, aber wenn Ihr zwischen die Fronten geraten solltet, können wir keine Rücksicht auf Euch nehmen. Ihr seid noch jung, und erst mit den Jahren lernt man, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Darum empfehle ich Euch, auf meinen Rat zu hören. Kehrt in eurer Land zurück, versammelt Eure Armee und kämpft an unserer Seite gegen Lorimander. Er hat Eure Krone gestohlen, das Recht der Rache liegt auf Eurer Seite wie auf unserer.«
Alexander ließ den Mann ausreden, aber er war es leid. Er wußte, daß er erst sechzehn war und noch nicht in dem Alter, in dem man normalerweise die Verantwortung für ein ganzes Land, ein ganzes Volk trug, aber er trug diese Verantwortung, und es war seine, nicht die eines bärtigen Ausländers. Er wußte, daß ein Krieg ein gutes Mittel war, sein Volk zu vereinen, daß man es auf diese Weise vielleicht ablenken konnte von der Tatsache, daß Alexander vielleicht sein rechtmäßiger König war, doch ungekrönt - daß er sich bliebt machen konnte als Anführer gegen einen gemeinsamen Feind. Aber Alexander wollte keinen Krieg. Koris hatte in den fünfzehn Jahren seiner Regierung keine Kriege geführt, und Koris war ein König, den jeder liebte - jeder, einmal abgesehen von Halan. Alexander wollte nicht wissen, warum, aus Angst, Antworten zu bekommen, aus Angst, das Bild seines geliebten Bruders könne fleckig werden. Er merkte, daß seine Gedanken abschweiften in eine Richtung, in der er sie nicht haben wollte, und er fing sich wieder.
»Keinen Krieg, Ansgar«, sagte er. »Nicht für mich. Wir glauben nur, daß Lorimanders Schergen meine Krone gestohlen haben, wir sind uns sogar recht sicher - doch beweisen können wir nichts. Und wenn ich einen Krieg anfange gegen jemanden, der möglicherweise unschuldig ist - macht mich das zum Mörder. Also erzählt mir nichts von Ehre, weiser Mann. Ich habe vor, meine zu behalten.« Er blickte Ansgar trotzig an, und er zwang ihn, seinen Blick zuerst zu senken.

aus: Die Chroniken der Elomaran
Erstes Buch: Engelsschatten und Zweites Buch: Schwanenkind

(c) by Maja Ilisch


Kommentare und Diskussionen zu dieser Geschichte