Feierabend
von Volker Tanger
Eine dieser Schlachten. Wie von
ihm erwartet, schlug er sich eine Schneise durch die Gegner.
Vielleicht auch der ein oder andere von seinen Verbündeten.
Ein Gegener krümmte sich unter dem Schwertstreich, suchte,
sein Gedärm am Herausquellen zu hindern. Wieso ihm einen
weiteren Streich versetzen? Das reichte doch. Der nächste.
Unerfahren. Konnte ihm aber einen Schnitt am Oberschenkel
beifügen, bevor er starb. Die Wunde würde wieder einige
Zeit beißen und jucken. Lästig so etwas. Neben ihm starb
sein Freund. Pech.
Jeder hatte seinen eigenen Rhythmus zu kämpfen.
Seit einer guten Woche war er auf dem Heimweg, der Sold im
Geldbeutel, ein Pferd unter ihm. In diesem Gasthof würde er
sich stärken, vielleicht übernachten. Er setzte sich an
einen Tisch, bestellte Dünnbier und etwas zu essen. Jemand
wollte sich setzen. Er stieß ihn weg. Der Mann schlug hart
auf und blieb liegen. Was starrten die Gäste so? Die taten
fast ja, als hätten die noch nie einen Toten gesehen.
Schweigend aß er. Danach stand er auf und ritt
weiter nach Hause.
Wäre das Pferd nicht gestern unter ihm zusammengebrochen und
verreckt, dann wäre er noch zum Nachmittag zu Hause gewesen.
Bei der Armee hatten die ja nur so ein beschissenes Material. Hielt
nichts aus. Zu Hause erkannte ihn seine Frau und stürzte sich
weinend auf ihn, beschlabberte sein Gesicht mit Küssen, sagte,
sie hätte ihn so vermißt. Er wollte etwas in Ruhe essen,
dann ein Bad. Ein Kind zupfte an seinem Bein. Er stieß es
weg. Es schrie. Ein Tritt brachte es zum Schweigen. Die Frau kniete
sich zum Kind, streichelte es, fing an zu schreien. Sie
stürzte sich auf ihn, hieb mit lächerlichen Gesten auf
ihn ein. Er griff in ihr Haar, riß ihren Kopf mit einem Ruck
nach hinten.
Ruhe. Er konnte ungestört zu Ende essen, baden, und sich
ausruhen.
veröffentlicht in
Blutige Himmel
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(c) by Volker Tanger