Lesbische Liebe wird von Frauen selten thematisiert, dann schon eher homosexuelle. Warum dem so ist, habe ich eigentlich nie richtig verstanden, wobei auch ich zugeben muss, daß ich mich kaum damit beschäftigt habe...


Llinian und Inari

von Christel Scheja


Den Magen mit warmem Nußbrot und frischer Butter gefüllt, lag Llinian im Bett und starrte aus der Luke hinaus in den Nachthimmel. Unten räumte Inari noch herum. Sie lauschte den Geräuschen und dachte an den Tag, an dem so viel geschehen war. Zuerst Inaris freundliche Geste des Verzeihens, dann das Geheimnis, das ihr Kymela zugeflüstert hatte, dann die rauhen Jungen, die auch sie nicht in Ruhe gelassen hatten.
Ihre Hände strichen zögernd über den Körper. Ihr wurde noch immer schlecht, als sie daran dachte, wie einer der Knaben sie gekniffen und gedrückt hatte. Sie stellte sich vor, daß einer von denen wie Reghed bei Inari zwischen ihren Beinen liegen würde und ...
Nein! Tränen schossen ihr in die Augen. Jetzt konnte sie Inari verstehen, und die Schande - war sie das überhaupt? Die Menschen im Dorf verurteilten Männer und Frauen, letztere fast noch mehr, wenn sie ihr eigenes Geschlecht vorzogen und verachteten sie. Da war Kymela auch nicht anders gewesen. Wieder fragte sie sich, was schlimmer war?
Sie schlug die Hände vor das Gesicht und begann zu weinen, ihre widersprüchlichen Gefühle freizulassen, weil sie keinen anderen Weg mehr wußte. Sie schluchzte und wimmerte. Erst als sie warme, tröstende Arme um sich spürte, hielt sie inne und sah auf. Inari war nur ein Schatten gegen das Mond und Sternenlicht.
»Was ist denn los?« tröstete sie ihre sanfte, warme Stimme, während eine Hand tröstend über ihr Gesicht und ihren Hals glitt. Llinian sah schluchzend zu ihr hoch.
»Ist es wahr ... wahr das ... das ...!« Sie bebte, als sie für einen Moment keine Luft bekam. Inari zog sie hoch und presste sie gegen ihren Körper. Sie schien zum Schlafen hochgekommen zu sein, denn sie trug kein Gewand mehr, Stoff, der ihre Haut hätte voneinander trennen können. Llinian seufzte. Inari roch nach Gras und wilden Blumen wie ihre Mutter. Sie schmiegte sich an sie, legte ihren Kopf auf deren Brüste.
»ist etwas am Fluß geschehen? Haben dich die Jungen ...«
»Nein ...« wisperte Llinian, sie wollte erst nichts sagen, doch dann brach alles aus ihr heraus. Stockend erzählte sie, was sie erlebt und gehört hatte. Inari hörte ihr nur zu und wiegte sie in den Armen, während ihre Hände sie unablässig streichelten.
»Ja, es ist wahr!« antwortete sie nach einer Weile des Schweigens ernst. »Es ist wahr, daß ich mit Frauen geschlafen habe. Mit einer meiner Schwestern und einer Magd. Nania. Sie hat mich gelehrt, daß daran nichts Schändliches ist ... weißt du, ich verstehe dich gut. Die Jungen sind so grob und ungeschickt, sie wissen nicht, was für ein Mädchen, eine Frau schön sein kann. Deshalb habe ich mich von ihnen abgewandt.«
Llinian streckte eine Hand aus. Sie hatte schon lange aufgehört zu weinen und lag nun in Inaris Armbeuge. Ihre Finger ertasteten die Brust der anderen. Die Ältere ließ sie gewähren. »Weich und zart«, murmelte sie, während sie spürte, wie ihr Herz schneller zu pochen begann und ihr Körper sich erhitzte. »Jetzt werden sie hart!« stellte sie fest - und auch, daß ihr Körper ähnlich reagierte. Nach ihrer Erzählung hatte sie den Worten Inaris kaum mehr gelauscht. Andere Gedanken und Empfindungen waren durch ihren Körper gehuscht. Sehnsucht nach etwas, das sie noch nicht kannte und die Suche nach Trost. Sie stützte sich ab und beugte sich über Inari, während ihre Hand die Stellen ertastete, die ihr Bruder auch berührt hatte. Der Bauch, die Stelle zwischen den Schenkeln. Inari schob sie nicht von sich, wie sie es erwartet hatte. Im Gegenteil. Llinian legte ihren Kopf auf deren Brust und hörte auch dort das Herz schneller schlagen. Sie wollte das Geheimnis weiter ergründen.

Inari seufzte, als das Mädchen ihre Schenkelinnenseiten rieb. Sie ließ Llinian Zeit ihren Körper zu erkunden und jede einzelne Reaktion zu beobachten. Erst als die Jüngere sich seufzend und heftig atmend zurücklegte, den Kopf in den Nacken gedrückt und die Augen weit offen, wenn auch verschleiert, begann sie den noch nicht ganz gereiften Körper zu erkunden.
Nur einen Augenblick dachte sie an Reghed, den Bruder der Kleinen. Sie durfte sein Vertrauen nicht ... doch er war weit fort. Das Mädchen brauchte Zuwendung und Wärme, nach allem, was sie erlebt hatte, und was sie verwirrte. Sie ließ ihre Hände über die knospenden Brüste kreisen, bis Llinian keuchte und sich im Bett herumwarf, massierte den Bauch, die Hüften, schob ihre Hände unter den Po, während sie den Schoß küßte und ihre Zunge zwischen die Schamlippen gleiten ließ. Llinian zitterte und schrie. Inari ließ von ihr ab und streichelte die Beine, die empfindlichen Kniekehlen, die Fußinnenseiten.
Sie kitzelte Llinians flachen harten Bauch mit ihrem Haar, lachte leise, als das Mädchen sie ungeschickt zwischen ihre Beine ziehen wollte und drehte sich selber auf den Rücken, um Llinian das tun zu lassen, was sie unbewußt von ihr verlangte. Das Mädchen rieb sich wild an ihr, keuchte und wimmerte wie von Sinnen.
Inari umarmte sie zärtlich, als Llinian heftig erzitterte und schrie. Auch wenn sie selber keine Erfüllung gefunden hatte, so freute sie sich doch, daß sie Llinian hatte glücklich machen können. Das Mädchen ruhte entspannt in ihren Armen und sah sie mit großen Augen an, in denen die Leidenschaft nur langsam abklang. »Jetzt verstehe ich...«, wisperte sie leise. Ob sie es noch verstehen würde, wenn die Erregung abgeklungen war, würde sich zeigen.

aus: Verbotene Liebe

(c) by Christel Scheja


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