Meine erste Liebesszene. Ein Auszug aus „Rianda und das Elbentor“. Ich weiß nicht, ob sie gut ist, aber ich wollte sie in dieser Geschichte unbedingt schreiben…
Rianda und Enriyo
von Maja Sickert
Ich hatte eine ganze Weile dort
draußen gestanden, denn als sich wieder zurückging, fing
die Sonne bereits an, hinter dem Horizont zu verschwinden. Ich
sollte wohl besser ins Bett gehen, ich schien ohnehin etwas
durcheinander zu sein.
»Rianda!« Ich hörte Enriyos Stimme hinter mir,
reagierte aber nicht darauf. Für eine weitere Diskussion
fehlte mir momentan sowohl die Lust als auch die innere Ruhe.
»Rianda, bitte warte!« Ich spürte, wie er mich am
Arm festhielt und blieb stehen.
»Rianda, bitte, es tut mir leid. Glaube mir bitte!« Ich
sah ihn an. Er wirkte fast verzweifelt, doch ich glaubte seinen
Worten nicht, nicht diesmal.
»Das tut es Dir doch jedes Mal! Jetzt lass mich bitte los,
ich bin müde und möchte zu Bett gehen.« Doch
anstatt meinen Arm loszulassen, wurde sein griff noch fester.
»Hör mir doch wenigstens einmal zu«, seine Stimme
hatte sich verändert, sie klang jetzt eher wütend als
verzweifelt, »Ich mache das doch nicht mit Absicht. Ich will
Dir nicht wehtun, das musst du mir glauben. Lass uns wenigstens
einmal versuchen zu reden.« Seufzend willigte ich ein, er
würde mich sonst wohl nicht mehr in Ruhe lassen. Wir gingen zu
seinen privaten Gemächern, und nachdem er die Tür hinter
uns geschlossen hatte, sagte er: »Ich tue das hier nicht,
weil ich Dir wehtun will, Rianda. Doch egal, was ich auch versuche,
du reagierst nicht darauf. Ich bin in deiner Anwesenheit total
durcheinander, ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll.
Gib mir doch wenigstens noch eine Chance!« Er hielt meine
hand immer noch fest. Ich sagte jedoch nichts. Für eine Weile
standen wir uns nur gegenüber und schwiegen. Was sollte ich
ihm denn jetzt sagen? Was für eine Reaktion erwartete er denn
jetzt von mir? Das ich ihm in die Arme fiel und ihm alles
verzieh?
»Du kannst keine Gefühle erzwingen, Enriyo. Und erst
recht nicht auf so eine Art und Weise. Du hast recht, wenn du
glaubst, dass mich dein Verhalten stört, aber nur, weil ich
nicht verstehe, wie du so mit einer Frau umgehen kannst.« Ich
wollte gehen, doch er ließ meine hand nach wie vor nicht los,
im Gegenteil, er zog mich noch ein Stück näher an sich
heran, bis ich seinen Atem an meinem Ohr spürte. Ich war viel
zu überrascht, um darauf reagieren zu können. Als ich
spürte, dass sein ganzer Körper zitterte, legte ich
zögernd einen Arm um ihn.
»Auch wenn du es mir nicht glaubst, ich liebe dich,
Rianda«, es war fast nur ein Flüstern, doch ich verstand
ihn trotzdem, »und ich werde dich immer lieben, ganz egal, ob
du dich jetzt von mir abwendest. Ich hatte immer Angst vor diesen
Gefühlen. Das war der einzige Grund, weshalb ich mich Dir
gegenüber immer wie ein Narr aufgeführt habe. Ich wollte
mein Herz nicht an dich verlieren. Doch es war stärker als
mein Verstand. Es hat sich entschieden, Rianda. Und zwar für
dich.« Ich spürte, wie mein Herz auf einmal schneller
schlug. Eigentlich wollte ich ihn gar nicht verlassen, doch ich
hatte Angst vor dem, was passieren würde, wenn ich mich ihm
öffnete. Wenn ich ihm sagen würde, was ich wirklich
fühlte. Nur deshalb verhielt ich mich doch die ganze Zeit so.
Ich hatte genauso viel Angst wie er.
»Ich… ich muss Dir etwas zeigen…«, ich
sprach fast ebenso leise wie Enriyo. Dann nahm ich seine freie Hand
und führte sie zu dem Stück Stoff, dass ich um meine
Stirn gebunden hatte.
»Mach es auf…« Etwas ungeschickt löste er
den Knoten des Stoffbandes und zog es herunter. Ich löste mich
von ihm und sah ihn an. Mein Haar fiel über meine deutlich
spitz zulaufenden Ohren. Ich wartete auf eine Reaktion von ihm,
irgendeine, so wie vorher bei Luthiel. Doch er sah mich einfach nur
an, seine Augen jetzt wie zwei unergründlich tiefe Seen. Er
hatte meine andere Hand immer noch nicht losgelassen, und mit der
anderen strich er zaghaft über mein Gesicht, schob ein paar
widerspenstige Haarsträhnen zur Seite und lächelte mich
an.
»Du siehst wunderschön aus, meine Prinzessin.«
Dann zog er mich wieder an sich und küsste mich. Ich war
überrascht und erwiderte den Kuss etwas zaghaft. Ich
spürte die Wärme, die jetzt von seinem Körper
ausging und drohte mich darin zu verlieren. Ich drängte mich
enger an ihn heran und meine Hände entwickelte unbewusst ein
Eigenleben. Er löste die Schnüre meines Hemds und begann
die Haut darunter zu streicheln. Dann zog er mich auf sein Bett und
entledigte sich hastig seines eigenen. Ich spürte, wie mein
Herz jetzt immer schneller schlug. Er sah mich an und ich konnte
die stumme Frage in seinen Augen lesen.
»Ich tue nichts, was du nicht willst. Ein Wort von Dir und
ich höre auf.« Doch ich wollte gar nicht mehr, dass er
aufhörte. Ich war schon viel zu lange allein gewesen. Ich
konnte jetzt nicht mehr zurück, auch wenn ich es morgen
vielleicht mehr als nur bereuen würde. Wir hatten uns
inzwischen unserer restlichen Kleider entledigt, die quer über
den Boden des Zimmers verstreut lagen. Enriyo begann, jeden
Zentimeter meiner Haut zu streicheln, meinen Hals entlang über
die Schultern und meine Brust, die Taille und immer weiter. Seine
Lippen folgten den Händen, die rau und verschwitzt und
gleichzeitig warm und weich über meinen Körper glitten.
Dann küsste er mich wieder, erst langsam, dann immer
fordernder. Ich schlang meine Arme um ihn und erwiderte den Kuss,
bis ich keine Luft mehr bekam. Ich keuchte und schon Enriyo sanft
ein Stück von mir weg.
»Lass mich atmen, bitte«, ich lächelte ihn an und
spürte wie mir dabei die Hitze ins Gesicht schoss.
Seine kühlen Finger strichen wieder über mein Gesicht
und weiter meinen Hals entlang, während meine eigenen
Hände über seinen Körper zu wandern begannen, das
schweißnasse Gesicht entlang, die Brust hinab und tiefer
über seine Bauchmuskeln hinab zu seinen Schenkeln. Ein
unterdrücktes Stöhnen drang aus Enriyos Kehle, als er
mich sanft gegen das Bettlaken drückte und mich erneut
küsste. Ich ließ meine Fingerspitzen fast hypnotisch
langsam über sein Rückrat wandern, von den
Schulterblättern an bis zu den Hüften, und zog ihn dabei
noch ein Stück näher an mich heran.
Ich konnte seine Erregung heiß in meinem Schoß
spüren und strich ihn mit zitternden Fingern ein paar
schweißnasse Haarsträhnen aus dem Gesicht. Dann drang
er, mich immer noch küssend, behutsam in mich ein. Unsere
Blicke trafen uns wieder, und ich konnte die heiße Erregung
in seinen Augen brennen sehen, als er begann, sich mit fast
schmerzhafter Langsamkeit in mir zu bewegen. Ich zog ihn noch ein
Stück an mich heran und erwiderte seinen Rhythmus.
Seine Hände glitten wieder über meine vom Schweiß
abgekühlte Haut und er küsste immer wieder mein Gesicht
und meinen Hals. Ich strich mit den Fingerspitzen sanft über
seine Schultern und verkrallte mich schließlich in seinem
schwarzen Haar.
Er beugte sich näher zu mir und ich spürte seinen Atem
an meinem Ohr, während sich in meinem Körper immer
heftigere Wellen der Erregung ausbreiteten. Ich zitterte und mir
war, als würde jede Faser meiner Haut in Flammen stehen.
Überall wo Enriyos Hände sie berührt hatte, brannte
sie wie kaltes Feuer. Die Welt verschwamm vor meinen Augen und ich
hörte auf zu denken, ich war nur noch Fühlen, verlor mich
in einem Taumel aus Empfindungen, ein Strudel aus Eis und
flüssigem Feuer, der sich an einem einzigen Punkt in mir
sammelte und schließlich viel zu schnell explodierte.
Enriyo strich mir zitternd ein paar Tränen von den Wangen,
die sich heiß in meine verschwitzte Haut gebrannt hatten.
Seine Beherrschung geriet jetzt vollkommen ins Wanken, seine
Bewegungen wurden immer schneller und leidenschaftlicher, bis er
sich schließlich ein letztes Mal stöhnend aufbäumte
und heiß in mir ergoss.
Er atmete, genau wie ich, immer noch viel zu schnell, als er
erneut jeden Zentimeter meines Gesichts küsste und ein
heiseres Ich liebe dich in mein Ohr hauchte. Ich lächelte ihn
an, sagte aber nichts.
aus: Rianda und das
Elbentor
(c) by Maja Sickert