Seraico und Alana
von Julia Hrdina
Seraico schlich noch ein wenig
im Haus herum und zerbrach sich den Kopf darüber, wie er es
sagen sollte. Er verfluchte Mavista.
Wie konnte sie ihn nur in eine solche Lage bringen?
Und wieso ausgerechnet jetzt?
Hatte sie nicht schon genug angerichtet?
Seraico blieb an einem der wenigen Fenster stehen, die nicht mit
einem Tuch verhangen waren. Er sah in den dunklen Nachthimmel und
wünschte sich wieder zu dem Sklavenhändler, der ihn
damals aufgeschnappt hatte. Damals war es ihm zwar nicht besser
gegangen, aber er hatte sich besser gefühlt.
Und jetzt?
Er stand zwischen zwei Frauen, denen er sich einfach nicht sicher
sein konnte.
Auf der einen Seite die verschlagene, fiese Mavista, die ihm das
Leben schwer machte und für alles Rechenschaft abgelegt haben
wollte. Was gab ihm Mavista? Auf jeden Fall ein gesichertes Leben
mit all seinen Vorzügen, aber sie gab ihm nicht das, was er
damals verloren hatte, als sein Dorf zerstört und die Bewohner
niedergemetzelt worden waren. Sie gab ihm keine Liebe und keine
Zeichen von Geborgenheit.
Auf der anderen Seite die fröhliche, unbeschwerte Alana, die
ihm seit ihrer ersten Begegnung gehörig den Kopf verdreht
hatte. Was gab sie ihm? Das Gefühl, ein Mensch zu sein. Er
wußte nicht, ob sie ihn auch liebte, sie war so
widersprüchlich. Mal sah es so aus, als liebe sie ihn, dann
wieder nicht. Alana gab ihm das, wonach er so lange hatte suchen
müssen: Liebe und Geborgenheit.
Seraico riß sich vom Fenster los und ging in die Küche,
wo die Sklaven schliefen. Er fand Alanas Schlafplatz mit
untäuschbarer Sicherheit, denn er hatte sie sehr oft
beobachtet, seit sie hier war. Er sank neben ihr auf die Knie und
sah sie an, als er bemerkte, daß sie blinzelte.
»Du bist wach?« fragte er leise.
»Ich habe noch gar nicht geschlafen.« antwortete sie
ebenso leise. »Ich habe gehofft, daß du noch einmal
kommst.« Sie sah verlegen zur Seite, dann sah sie ihn wieder
direkt an. »Was wollte Mavista?«
Seraico fuhr sich mit der Hand über den Nacken und sah Alana
an. »Sie will ein Kind.« sagte er so sachlich wie
möglich.
»Was?« Alana hätte beinahe angefangen zu lachen,
aber sie bemerkte, daß Seraico damit zu kämpfen hatte.
»Aber sie ist doch viel zu alt dafür.« Sie setzte
sich auf und schlang die Arme um die angezogenen Knie.
Seraico nickte heftig. »Deshalb hat sie sich auch etwas
ausgedacht. Sie will, daß du und ich, daß
wir...«
Alanas Augen vergrößerten sich. »Wir sollen das
Kind...?«
Seraico nickte wieder, diesmal nicht so heftig. »Genau das
ist ihre Idee.«
Er seufzte und ließ sich von Alana in den Arm nehmen. Er
lehnte seinen Kopf an ihre Schulter, spürte die Ansätze
ihrer Brüste an seiner Schläfe. Er atmete tief ein und
aus und genoß es einfach nur, sich ihren zarten
Steicheleinheiten in seinem Nacken hinzugeben. Sie kraulte ihn,
streichelte ihn. Seraico genoß es einfach nur und seufzte. Er
hob den Kopf und sah sie an, sofern das in der Dunkelheit
überhaupt möglich war. Seine Lippen suchten
ihre, fanden sie. Sie tauschten zärtlich einen Kuß aus.
Alanas Hände lagen immer noch in seinem Nacken, hielten ihn
dort fest, zogen ihn zu ihr.
Seraico legte seine Arme um sie, zog sie näher zu sich. Sie
küssten sich leidenschaftlicher, fast sehnsüchtig.
Seraico zog Alana auf seinen Schoß, hielt sie fest. Seine
Hände wanderten ihren Rücken herauf, massierten sie
leicht im Nacken, fuhren dann wieder an ihr herunter. Er umfasste
ihr Gesäß, streichelte wieder über ihren
Rücken. Sein Mund wanderte zu ihrem Hals.
Alana warf den Kopf zurück und stöhnte leise auf, als er
ihren Hals küsste. Seine Lippen fanden wieder ihren Mund,
seine Hände den Verschluß ihres Kleides. Alana zog ihm
das Hemd über den Kopf und warf es achtlos neben sich. Ihre
Hände fuhren über seine Brust, befühlten den
Rücken mit all den deutlich spürbaren Muskeln. Sie
streichelte seine Oberarme, spürte jeden Muskel seines
Körpers.
Seraico zog ihr das Kleid aus und warf es nicht weniger achtlos
neben sich.
Seine Lippen glitten über ihren Hals, zu ihren Brüsten.
Er vergrub das Gesicht in ihnen und sog Alanas Geruch ein. Seine
Hände umfassten ihre Brüste, während er sie wieder
gierig küsste.
Alana war fast wie von Sinnen. In ihrem Kopf hämmerte und
dröhnte es. Stimmen warnten sie, raunten ihr zu, vorsichtig zu
sein. Aber sie hörte nicht auf sie. Jemand, der solche
Gefühle in ihr hervorzaubern konnte, vor dem brauchte man sie
nicht warnen. Alana schaltete die Stimmen aus, ignorierte sie und
genoß einfach nur Seraicos Berührungen, die ihr fast den
Verstand raubten. Sie rutschte von seinem Schoß und legte
sich auf ihr
Lager. Ungeduldig zog sie Seraico zu sich, der sich die Hose
auszog.
Sie lagen nackt in der Dunkelheit nebeneinander, berührten
sich, streichelten sich, küssten sich. Seraicos Hände
schienen überall gleichzeitig zu sein, ebenso seine Lippen.
Seine Hand drückte ihre Oberschenkel auseinander, fuhren an
der Innenseite entlang. Es kitzelte,
doch Alana war zu erregt, um dieses Gefühl zu
bemerken.
Sie kratzte ihn leicht mit den Fingernägeln über den
Rücken, massierte seinen Nacken, genoß alles, was er mit
ihr tat. Seine Hand berührte ihre intimste Stelle, und Alana
stöhnte laut auf. Seine Hand verweilte dort, ließ das so
urplötzlich aufgekommene Gefühl fast verebben. Dann
streichelte er sie dort weiter, zart, fast so, als ob er sich nicht
wagte, sie dort fester
anzufassen.
Seraico küsste sie wieder und legte sich auf sie. Seine Hand
umfasste ihren Nacken, als er langsam, fast vorsichtig in sie
eindrang. Das Gefühl, als ob eine Horde Ameisen über
ihren Körper lief, übermannte Alana. Sie zitterte, atmete
stoßweise. Ihre Beine schlangen sich um Seraicos Körper,
zogen ihn noch weiter in sich hinein. Sie wollte ihn ganz
spüren, wollte, daß er sie ausfüllte.
Seraicos Atem ging nicht anders, er spürte Alanas Zittern
ebenso wie sein eigenes. Er küsste sie wieder, bewegte sich
nicht. Er genoß den Augenblick, sie einfach nur spüren
zu können. Es durchlief ihn ein wohliger Schauer nach dem
anderen. Das Gefühl, das er hatte, konnte er einfach nicht
beschreiben.
Er war fast von Sinnen vor lauter Glück. Seine Gefühle
schlugen Purzelbäume, wenn er diese Frau küsste. Sein
ganzer Körper war eine einzige Antenne, die Alanas Signale
auffing.
Er bewegte sich leicht, Alana bekam eine Gänsehaut. Ihre
Hände verschränkten sich in seinem Nacken und zogen ihn
zu sich. Sie küsste ihn und genoß seine
Bewegungen.
Wie lange war es her?
Sie vergaß den Gedanken gleich wieder. Sie wollte einfach
nur dieses unwahrscheinliche Kribbeln genießen, das Seraico
bei ihr auslöste. Ihr ganzer Körper schrie nach diesem
Mann, nach seinen Berührungen, Liebkosungen.
Seraico hielt wieder in seiner Bewegung inne. Seine Hand
löste sich von Alanas Nacken und streichelte ihr sanft
über die Wange. Er strich ein paar Haarsträhnen zur
Seite, nahm ihr Gesicht mit seiner Hand in sein Gedächtnis
auf.
Als es vorbei war, hatte Alana alles vergessen, was um sie herum
war. Die anderen Sklaven, Mavista, und das, was Seraico ihr gerade
wegen dem Baby gesagt hatte. Für sie zählte nur Seraico,
der neben ihr lag, und sie so glücklich gemacht
hatte.
Liebesnacht
(c) by Julia Hrdina