Musen. Eine Gebrauchsanleitung
Wenn an dein Herz die Muse rührt,
mußt du sie recht gut pflegen:
Denn Musen, brav und gut geführt,
sind heut ein wahrer Segen.
Die schlecht geführte Muse doch
- auch dieses muß ich sagen -
stürzt ihren Dichter in ein Loch,
und ihm bleibt nichts als Klagen.
Ist deine Muse unterkühlt
und gibt sich ungezogen?
Damit sie leidenschaftlich fühlt,
setz sie nur nie auf Drogen!
Sag nicht »Ich hol dir noch ein Bier,
dann soll mein Herz erbeben!« -
die Muse soll sich schließlich dir
und nicht dem Trunk ergeben.
Die Muse, die der Rausch ergreift
vermittelt dir Visionen:
Wenn sie dich um die Sterne schleift,
wünschst du, sie mög dich schonen.
Doch spiel ihr klassische Musik,
wie Mozart und Konsorten,
und Rimsky-Korsakov, und Grieg,
und schwelg in ihren Worten.
Wohin du gehst, auf jeden Schritt
da soll sie dich begleiten:
Nimmst du sie ins Museum mit,
zeigt sie dir fremde Zeiten.
Drum geh der Muse brav zur Hand,
willst du sie nicht verlieren:
Suchst du den Weg ins Dichterland,
mußt du sie inspirieren.
Und wenn du denn die Muse hast
und magst all dies bedenken,
dann ist sie gern bei dir zu Gast
und wird dir Freude schenken.
Gedicht (c) 2002 by Maja Ilisch
Bild (c) 2002 by Kristina Siers