as Buch dazu ist leider niemals fertig geworden, es sollte die Geschichte eines meiner Lieblings-Rollenspielcharaktere beinhalten, aber ich bin nie richtig dazu gekommen, das ganze genauer auszuarbeiten. Über den Magier Cayryn gibt's daher nur die Kurzgeschichte »Odairans Fluch« und eine Kurzfassung der Dinge, die in dem Buch vorkommen sollten, als eine Sammlung von fiktiven tagebucheinträgen des Magiers und zusammengerafften Zwischendtücken, die dazu dienen, die Tagebucheinträge verständlich zu machen. Der Prolog schildert den Tod von Cayryns Großonkel, dessen schwarze Seele in Cay wiedergeboren werden soll.
Nachtzauber
Prolog
von Kristina Siers
Neumondnacht - Nacht der Geister und Dämonen,
Nacht der dunklen Mächte, Zeit der schwarzen Magie...
Diese Nacht war seine Nacht. Scharfer Wind blies von Norden her,
und mit ihm kamen Schnee und Hagel. Der Sturm zerrte an seinen
bodenlangen schwarzen Roben und peitschte ihm die Hagelkörner
in das bleiche, von schlohweißem Haar umrahmte Gesicht. Doch
er schien es nicht zu spüren. Seine Augen blickten in eine
andere Welt, seine Lippen formten Worte einer schon lange
vergessenen Sprache. Schmale Hände zeichneten seltsame Symbole
in die kalte Winterluft. Geschickt ritzte er mit dem magischen Stab
einen Bannkreis in den bereits hartgefrorenen Schnee. Ein zuckender
Blitz ließ die Symbole silberblau aufleuchten.
Er warf einen Blick auf den dunklen Himmel. Kein Mond, kein Stern
beleuchtete den von hohen Bäumen umsäumten Burgplatz, nur
die Blitze tauchten ihn zuweilen in gespenstisches Licht.
Der Magier war zufrieden mit seinem Werk. Noch ein letztes mal
ließ er den Blick über den Bannkreis schweifen, schaute
noch einmal in den Himmel und zog dann eine Schriftrolle aus den
Falten seiner weiten Roben. Jetzt war die Stunde gekommen, die ihn
zu einem der Mächtigsten aller Magier machen sollte, die
Nacht, in der die Mächte der Finsternis selbst ihm die Kraft
dazu geben sollten. Wie lange hatte er auf diesen Augenblick
gewartet! Wie lange hatte er nach dem längst verschollen
geglaubten Zauber gesucht, der den Mächten der nacht alle Tore
öffnen sollte und der ihm die Macht gab, sie zu seinen Dienern
zu machen! Jetzt würde er es ihnen beweisen, den
Spöttern, den Neidern - und vor allem denen, die es nicht
wagten, die Mächte der Finsternis anzurufen und ihre Kraft zu
nutzen!
Er entrollte das brüchige Pergament, schützte es mit
seinem eigenen zerbrechlichen Körper gegen den eisigen
Nordwind, hob beschwörend eine Hand in Richtung des
Bannkreises...
Die Worte der längst vergessenen Sprache der dunklen Magie
flossen wie seine Muttersprache von seinen Lippen, wieder und
wieder erklangen sie, in den Wind hineingesungen, immer lauter,
immer drängender...
Er spürte, wie der Zauber an seinen Kräften zehrte,
fühlte den Durst der Dämonen nach seiner Lebenskraft-
Doch er gab nicht auf. Immer heftiger tobte der Hagelsturm,
gewaltige Blitze durchschnitten den Himmel, Donner grollte in der
ferne und kam immer näher.
Zum letzten Mal erklang das letzte Wort der Beschwörung. Wie
um das Unheil anzukündigen, das er heraufbefohlen hatte,
erklang ein letzter betäubender Donnerschlag. Der gleich
darauf folgende Blitz spaltete eine der uralten Eichen, er knickte
den Baum wie einen Grashalm und ließ ihn brennend auf den
Burghof niederkrachen. Zu Tode erschöpft, am Ende seiner
körperlichen und geistigen Kraft sank der Magier in die Knie,
doch er gab seiner schwäche nicht nach. Starr waren seine
Augen auf die nebelhafte Gestalt inmitten der magischen Symbole
gerichtet. Er war gekommen! Er hatte seinen Ruf gehört, und er
war ihm gefolgt. Und er war nicht allein gekommen. lautes heulen
erfüllte die Luft, dunkle Schatten krochen über den
Boden, Nebel stieg aus dem nahen Wald auf und formte sich zu
seltsam anmutenden Wesen. Nicht von dieser Welt...Mächte der
Finsternis, gerufen durch die Kraft des uralten verbotenen
Zaubers.
Ein Hochgefühl durchströmte den Magier und gab ihm neue
Kraft.
»Du wirst mir dienen!« rief er dem sich in dem
Bannkreis windenden Dämon zu, »Mir, der ich dich gerufen
habe aus den Tiefen der nacht! Du gehörst mir!«
Unheimlich klang sein triumphierendes Gelächter im Brausen des
Windes. Mit aller Kraft, die ihm noch geblieben war, konzentrierte
er sich auf den Geist, versuchte, ihm seinen Willen aufzuzwingen,
ihn in dieser Welt zu halten...
»Was du da tust, ist sinnlos!« ertönte eine Stimme
in seinem Inneren. »Gib auf, Sterblicher!«
Für einen winzigen Moment verlor er die Fassung, als er
fühlte, wie der Geist ihm zu entgleiten drohte.
»Niemals!« keuchte er. »Ich habe dich gerufen,
ich kann dich auch an mich binden!«
Beschwörend hob er die Hände, wieder erklangen Worte in
der Sprache der Finsternis, abgehackt und abgerissen unter seinen
rasselnden Atemzügen. Immer näher kam der Geist an den
Rand des Bannkreises heran, immer weiter schwebte er auf den Magier
zu, der sich anmaßte, sein Meister werden zu können.
»Du wirst es nicht wagen …!« Der Magier
schrie auf, seine Stimme überschlug sich, die Worte des
Zaubers verstummten. Voller Entsetzen sah er den Geist die magische
Barriere überschreiten, er fühlte die Kälte und die
drohende finstere Aura, die ihn zu ersticken drohte. Langsam wich
er zurück, als er spürte, daß seine Kräfte ihn
zu verlassen drohten. Die Schwäche brachte Angst, und die
Angst nährte seinen unbändigen Zorn. Er verfluchte sich
selbst, verfluchte seine Schwäche, das Gefängnis seines
zerbrechlichen Körpers, die schwindenden Kräfte- es war
zu spät. Er wußte, daß diese Nacht, die die Nacht
seines größten Triumphes hatte werden sollen, nun die
nacht seiner größten Niederlage sein würde.
»Noch hast du nicht gesiegt! Ich habe dich gerufen, ich kann
dich auch wieder von hier verbannen!«
Der Geist ließ ein hohes, dünnes Gelächter
hören. Doch der Magier ließ sich nicht beirren. Mit
letzter Kraft hob er die Hände gegen den dämonischen
Verbündeten, der nun sein feind war. Mühsam richtete er
sich auf und trat schwankend auf das Ding zu, das er gerufen hatte.
Wieder sprach er die Worte, dieselben Worte, doch
rückwärts diesmal, zwingend, drohend erhob sich zum
letzten Mal die Stimme des Magiers. der Dämon wich
zurück. Doch noch während er vor dem Bann floh, umfing
ein Nebelstreif den schlanken Körper des Magiers und erstickte
seine Worte.
»Ich kehre zurück!« flüsterte eine Stimme
nahe an seinem Ohr. »Doch nicht allein. Du wirst mit mir
kommen!«
Ein Schrei zerriß die Nacht, ein Schrei, so voller Entsetzen
und Qual, daß alle, die in der ferne auch nur sein Echo
vernahmen, angsterfüllt zu ihren Göttern beteten und
Zeichen gegen das Böse schlugen. Dann kam die Stille. Der
Sturm flaute ab, das Donnern verstummte in der ferne und die Himmel
verschlossen ihre Tore.
Am anderen Morgen, so berichtet die Sage, die sich seit diesen
tagen um jene Nacht rankte, fanden sie den Körper des Magiers
inmitten seines Bannkreises - eine entsetzlich zugerichtete Leiche,
deren erstarrte Finger ein langsam zu Staub zerfallenes Pergament
umfaßten.
Die andere hand hatte um Augenblick des Todes drei Worte in den
Schnee gekratzt.
»Ich werde wiederkommen.«
(c) by Kristina Siers