Dieser Prolog zu meinem Zyklus Traumwandler ist, wie viele von den Dingen die mir gefallen, mitten in der Nacht aus einer Laune heraus entstanden. Eigentlich soll er nur die Stimmung der Geschichte einfangen und steht als reine Einleitung, nicht mehr aber auch nicht weniger.


Traumwandler
Prolog

von Gertrud Wenzel


hre Füße waren taub, und sie ging durch Schwärze. Noch einen Schritt.
Noch einen.
Keiner wusste wohin er ging, sie auch nicht.
Noch einen Schritt.
Sie ging über schwarzes Wasser. Es kitzelte ihre tauben Füße.
Noch einen Schritt.
Manchmal war die Dunkelheit hell, wie als würde eine Sonne ihr den Weg leuchten wollen, aber sie wusste, dass diese Sonne niemals ihren Weg erhellte. Und meistens war es dunkel.
Noch einen Schritt.
Sie erhellte die Wege anderer, damit sie sahen wohin sie gingen.
Noch einen Schritt.
Aber natürlich nur soweit, dass sicher war, dass sie nicht fallen würden.
Weiter.
Für sie leuchtete hier kein Licht. Sie ging durch die Schatten zwischen den Lichtern und ihren Verfolgern. Sie suchte ihren Weg ohne ihn finden zu wollen.
Wieder einen Schritt.
Manche sahen sie seltsam an. Aber sie sahen durch sie hindurch, sie sahen nur den Schatten aus dem sie bestand. Und das war gut so.
Die weiche Schwärze zog sie – nicht das Licht, aber sie zog sie stark.
In alle Richtungen.
Sie hielt auch nicht an wie die anderen Leute, und im Gegensatz zu ihnen sah sie gut im Schatten. Und viel. Sie sah das was sie nicht sehen wollten.
Denn hier in den Schatten, durch die die anderen nur zu stolpern vermochten, lagen die Wegweiser zu ihren Träumen.
 
Sie musste sie nur finden, und aufheben.
Und zwischen ihren Fingern zerrann das schwarze Wasser.

(c) by Gertrud Wenzel


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