Schreibratgeber

Es ist immer ein Streitpunkt, ob sich das Schreiben lehren und lernen lässt. Fernschulen buhlen um Bürger mit dem vollmundigen Versprechen, dass jeder ein erfolgreicher Schriftsteller werden kann, der nur ihren Kurs absolviert, stellen große Erfolge in Aussicht und kosten dabei viele hundert Euro - jemals gehört hat man nur von den allerwenigsten Absolventen. Auch mit dem besten Kursmaterial und der intensivsten Betreuung lässt sich nicht jeder Hausmann, jede Rentnerin, jeder Otto-Normalverbraucher in einen Autor verwandeln, es gehört einfach auch eine Begabung dazu, die man mitbringen muss und die sich nicht herbeizaubern lässt.

Doch das ändert nichts daran, dass Schreiben auch ein Handwerk ist, das sich erlernen, verfeinern, erweitern lässt. Andere Autoren, kritische Leser, Selbstkritik sind wichtige Lehrmeister auf dem Weg zum besseren Schreiben, und vor allem, schreiben, schreiben, schreiben, aus den Fehlern lernen und die Fallstricke erkennen, bevor sie einen zu Fall bringen. Darüber hinaus gibt es aber auch wirklich gute Lehrbücher, die dem Autor helfen können, Ideen zu strukturieren, einen Spannungsbogen aufzubauen, sich selbst zu organisieren oder dem inneren Kritiker den inneren Stinkefinger zu zeigen.

Von null auf hundert kann einen Autor keines dieser Bücher bringen. Wo ein PHP-Lehrbuch einen absoluten Programmierlaien an die Hand nehmen kann und in dreißig Lektionen in die Lage versetzt, funktionsfähige eigene Scripte zu schreiben, sind Schreibratgeber vor allem für Autoren nützlich, die das grundsätzliche Handwerk bereits beherrschen, aber noch Defizite bei sich erkennen - ein typischer Fall sind Autoren, die sich über einen Mangel an Ideen nicht beklagen können, schon eine Reihe von Romanen begonnen haben, sich aber schwer damit tun, jemals einen zu Ende zu bringen, oder die zwar Seite um Seite zu Papier bringen, aber nie auch nur ansatzweise zufrieden mit dem Ergebnis sind.

Da der Markt an Schreibratgebern unübersichtlich ist und ständig weiter wächst, wollen wir an dieser Stelle Vertreter, welche die unterschiedlichsten Ansätze verfolgen, unter die Lupe nehmen und kritisch beleuchten. Leider hält nicht jedes Buch, was es verspricht, und während einige Titel unverzichtbare Handbücher für jeden Schreiberling sind, hat man es in anderen Fällen mit selbstverliebten Autoren zu tun, die sich gerne reden hören und denken, dass ihre Methode die Alleinseligmachende ist, aber nicht in der Lage sind, diese auch an den Leser zu vermitteln. Nicht jede Technik funktioniert für jeden Autor, und so können sich die verschiedenen Bücher widersprechen und dabei trotzdem noch recht haben.

Keines der hier vorgestellten Bücher ist in der Lage, dem Autor die eigentliche Arbeit abzunehmen. Schreiben muss man immer noch selbst, und egal wie viele Schreibratgeber man nacheinander durcharbeiten kann, kommt die eigentliche Lernkurve meistens erst, wenn man das Gelernte in die Praxis umsetzt. Aber wenn es mit dem richtigen Lehrbuch zu dem entscheidenden Aha-Moment kommt, den man gebraucht hat, um aus dem Teufelskreis der immer gleichen Probleme zu entkommen, hat sich die Lektüre allemal gelohnt.

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