Tierbegegnungen
Was macht eigentlich einen Fantasyroman wirklich fantastisch? Nur die Magie, die andere Welt, die Fabelwesen? – Nun gut, in einem gewissen Rahmen ist das sicherlich so. Aber für mich sind es auch immer die besonderen Tiere gewesen, die oft Handlungsträger oder zumindest Sympathieträger sind.
Wo wäre Hawklan ohne den Raben Gavor, Antyr ohne den Wolf Tarrian oder Drizzt Do’Urden ohne den Panther Guenhwyvar? Vermutlich tot nach zehn Seiten und das Buch vorzeitig zu Ende.
Tiere in der Fantasy sind ein kaum wegzudenkendes Element. Das können zum einen die Tiere sein, die den oder die Helden auf beschwerlichen Wanderungen begleiten, einfach treuer Freund und manchmal Retter in der Not sind. Oder es sind, wie im Märchen, verzauberte Menschen, die sich in Tiergestalt wiederfinden. Dann besteht nicht selten eine der Heldenquesten darin, diese Verzauberung wieder aufzuheben. Und dann gibt es da noch die große Anzahl übernatürlicher Wesen, die Tiergestalt wählen, um in die Irre zu führen, zu täuschen , zu helfen oder einfach nur Spaß zu haben. Götter haben oft eine große Affinität zu Tiergestalten, Raben und Wölfe sind mit Abstand die beliebtesten Formen. Aber auch Dämonen oder Zauberer greifen gelegentlich zu diesem Mittel, um in Kontakt mit dem Helden zu treten.
Sprechende Tiere, manchmal wie der Hund Gaspode in Ankh-Morpork völlig unfreiwillig, erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Schließlich führt es oft zur Erheiterung der Leser, wenn der Held plötzlich mit einem sprechenden Raben, Hund, Kaninchen oder Wolf konfrontiert wird und mit dieser Tatsache klar kommen muß. Auf diese Weise kann man einer ansonsten düsteren Geschichte ein paar heitere Momente verschaffen. Das Tier als der Sidekick mit den komischen oder trocken-zynischen Kommentaren ersetzt oft den menschlichen, nicht unbedingt zum Nachteil.
Aber ob Tiere nun zur Auflockerung in eine Geschichte gebracht werden, oder ob sie den Plot entscheidend vorantreiben, Tatsache ist, daß in fast allen Fantasyromanen Tiere eine mehr oder wichtige Rolle einnehmen (damit meine ich nicht jedes Huhn oder jede Ratte!). Manchmal sind die Tiere so wichtig, daß sie als eigenständige Charaktere in ganz eigenen Geschichten auftreten, dabei aber im Gegensatz zur Fabel ihre Tierhaftigkeit behalten.
Monica Höfkes