Rápido ist ein prachtvoller schneeweißer Hengst - und das schnellste Pferd der Staublande. Aber irgendwie klappt es nicht so recht mit den Stuten …
Rápido auf
Stutenjagd
von Melanie Giesen
Rápido und die
der Eselin…
Wind kam auf, griff nach den Vorhängen und ließ sie
auseinanderflattern wie aufgeschreckte Tauben. Düster
zeichnete sich eine Gestalt gegen das spärlich einfallende
Mondlicht ab.
Da polterte etwas und eine zweite Gestalt kam neben der ersten in
Sicht. Sie war etwa halb so groß und doppelt so breit.
»Hey du!« brüllte sie. »Dein blöder
Gaul belästigt meinen Esel!«
»Hi« sagte Rápido zu dem Esel. »Niedliche
lange Ohren hast du.« Der Esel klimperte verführerisch
mit seinen Wimpern.
»Ich bin sehr experimentierfreudig«, fuhr Rápido
fort und trippelte um den Esel herum, um ihn von allen Seiten zu
begutachten.
»Oooooh, das kitzelt!« lachte der Esel und wackelte mit
dem Hinterteil.
»Mhh«, seufzte Rápido. »Was für eine
Stu-!«
Tabiço trat durch die Schwingtür nach draußen.
Langsam ließ er seinen Blick von einem Ende der stilechten
Holzvorrichtung zum Anleinen von Reittieren zum anderen
schweifen.
»Mein Pferd belästigt also deinen Esel –
ja?« fragte er spöttisch. »Und wie soll er das
bitteschön anstellen, von da drüben?«
»Hmpf«, machte der Zwerg und und stapfte zu seinem
Esel, der mit sehnsuchtsvollem Blick zu Rápido
hinüberschielte. Argwöhnisch schielte Rápido
zurück.
Rápido und ein Einkaufswagen mit viel Sexappeal
»»Hi«,
sagte Rápido zu dem geheimnisvollen Wesen am anderen Ende
der stilechten Vorrichtung zum Anleinen von Reittieren und kniff
angestrengt die Augen zusammen. Nun, er war ja daran gewöhnt,
dass die Welt die seltsame Eigenschaft hatte nach einigen Metern zu
diffusem Nebel zu verwischen* – aber manchmal war es wirklich
lästig.
- *Wäre Rápido ein Mensch, wäre er vielleicht
irgendwann auf den Gedanken verfallen einen Augenarzt aufzusuchen
und sich eine Brille verschreiben zu lassen. Aber Rápido ist
nun einmal kein Mensch. -
Glücklicherweise verfügte er aber über eine Menge
Phantasie...die ihn für so manches entschädigte. Vor
seinem inneren Auge glich die nebulöse Silhouette dort
drüben mehr und mehr einer glutäugigen Schönheit mit
wallender schwarzer Mähne und einem Wahnsinnsschweif an ihrem
allerliebsten, vielversprechenden Hintern.
Rápido schnaubte aufgeregt, als dieses entzückende
Geschöpf seine Anrede glattweg ignorierte und weiterhin stolz
geradeaus blickte.
Er mochte solche Spielchen. Er war ein Eroberer. Und er eroberte
jede Mähre, die er erobern wollte.
Rápido stolzierte ein paar Schritte auf die geheimnisvolle
Stute zu –
Ein Ruck an der Trense brachte ihn schnell wieder zum stehen.
Unwillig schüttelte er den Kopf. Oh nein!
Verfluchte Zügel! Sie hatten sich ganz furchtbar
ungünstig um einen der senkrechten Pfähle an der
stilechten Vorrichtung gewickelt.
Er hing fest!
Rápido und das Einhorn
»Hi«, sagte Rápido zu dem Einhorn.
»Hi«, erwiderte es mit glockenklarer Stimme.
»Ein hübsches Horn hast du da. Es passt wunderbar zu
deiner silbrig schimmernden Mähne. Und es betont deine
schönen Augen!« Rápido zog alle Register.
»Du bist das schönste Wesen das ich jemals
sah!«
»Oh«, machte das Einhorn geschmeichelt.
»Traben wir ein wenig zusammen?«
»Ich weiß nicht«, meinte das Einhorn kokett.
»Die anderen sagen immer, lass dich niemals auf einen
Hornlosen ein.«
»Aaach, das Horn...« Rápido griff tief in die
Trickkiste. »Weißt du, nicht, dass ich nicht eigentlich
auch eines hätte...nun, einst im Kampf
gegen die mächtigen Mächte der finstersten
Finsternis...«
»Wiiihiiihiii!«, lachte das Einhorn, »Du bist ja
echt ein Spinner!«, und trabte von dannen.
Deprimiert schnaubte Rápido und blickte ihm nach.
Was machte er nur immer falsch?
aus: C. Lowns Allererstes
Happy-End
(c) by Melanie Giesen