Alexander hat nach seiner Flucht eine weitere Begegnung mit Irianders Dolch, der Klinge des Zornes...
Alexander von Korisanders
Blute in:
Der Schwanenhalsdolch
von Maja Ilisch
Alexander erwachte aus
traumlosem Schlaf, an den er keine Erinnerung hatte, und
fühlte sich seltsam. Die Nacht war verschwunden, kaum,
daß er die Augen aufschlug - als wäre sie niemals
dagewesen. Ohne den Kopf zu heben, sah er das Licht, das durch die
Fensterläden fiel, und wunderte sich, wie er bei dem seltsamen
Geruch des Bettes überhaupt hatte schlafen können. Die
Kissen rochen seltsam, irgendwie holzig. Sicher hätte Halan
noch drei oder vier weitere Bestandteile finden können, aber
Alexander war es eigentlich egal. Es änderte nichts daran, was
dies für ein Ort war, warum er hier war, was geschehen war. Je
mehr Alexander versuchte, nicht daran zu denken, desto schneller
kehrte die Erinnerung zurück, und er begriff, daß er
aufstehen mußte, sich wieder bewegen, so schnell es ging,
denn sonst würde er hier noch den Verstand verlieren. Er stand
auf.
Er wollte aufstehen. Er konnte es nicht. Ein Schmerz, der von oben
bis unten drang, bohrte sich durch seinen Brustkorb, und
plötzlich war jeder Atemzug mit Schmerzen verbunden. Alexander
schnappt nach Luft und versuchte, den Kopf zu heben. Seine Brust
… Aus seiner Brust ragte der Griff des Schwanenhalsdolches.
Seine Klinge war tief in Alexanders Herz gerammt.
Alexander starrte auf den Dolch. Wo kam er her? Seit wann war er
da? Alexander fragte nicht, aus Angst, eine Antwort zu bekommen. Er
zwang seinen Willen zusammen, zwang ihn in seine Hände, zwang
seinen Arm, sich zu heben. Es gab nur eines, was er tun konnte, um
sich zu retten und aus diesem Albtraum herauszukommen. Mit
äußerster Kraftanstrengung, seine Finger um den Griff zu
legen, zuzupacken …
Als sich seine Finger in seine Handflächen bohrten, als er
merkte, daß er das Nichts umklammert hielt, wachte Alexander
auf.
aus: Die Chroniken der
Elomaran
Erstes Buch: Engelsschatten
(c) by Maja Ilisch