Dhim’herell, das Juwel
des Nordenlandes, geht im Tosen der Elemente unter, als die
Kreaturen des Nhiriall aus ihrer Verbannung ausbrechen.
In einer albtraumhaften Vision erlebt Dorwen diesen Untergang
mit
Dorwen Indoraín
in:
Traum vom Tod
von Monica Höfkes
Ein dumpfes Grollen weckte sie.
Es war tiefste Nacht, aber durch die geschlossenen Läden drang
schwacher Lichtschimmer herein.
Rasch stand sie auf und ging zum Fenster. Als sie es öffnen
wollte, entriss eine plötzliche Sturmböe den Laden ihrer
Hand und schmetterte ihn laut krachend gegen die Wand.
Der erschrockene Aufschrei blieb ihr im Halse stecken, als sie
hinaussah.
Ein Feuerregen ging auf die Stadt herab und Blitze zuckten
unaufhörlich über den schwarzen Himmel. Der Donner rollte
und wenn die Blitze ein Ziel fanden, wurde dies von
ohrenbetäubendem Getöse begleitet.
Wieder hörte sie das dumpfe Grollen.
Es war kein Donner, sondern schien von irgendwo weit unten zu
kommen.
Mit einer Mischung aus Faszination und Grauen sah sie, wie einige
der hohen Türme ins Wanken gerieten und einstürzten. Das
Splittern von Stein und Kristall wurde vom Heulen des Sturmes
fortgerissen.
Sie wollte schreien, aber immer noch kam kein Laut über ihre
Lippen. Sie war unfähig sich zu rühren, obwohl alles in
ihr sich sträubte, weiterhin Zeugin dieser Zerstörung zu
sein.
Als die Türe zu ihrem Zimmer mit Vehemenz aufgerissen wurde,
hatte sie nicht mehr als einen kurzen Blick dafür. Zu sehr
nahm sie das Schauspiel draußen gefangen.
Als eine Hand sich auf ihre Schulter legte und sie mit sanftem
Druck vom Fenster wegzuziehen suchte, schüttelte sie die Hand
mit einer unwilligen Bewegung ab.
Sie wollte an diesem Ort bleiben und nicht in das Chaos und die
Zerstörung, die da draußen herrschten, hineingezogen
werden.
Ein zweiter Versuch, sie zum mitgehen zu bewegen, wurde ebenso
abgewehrt, wie der erste. Sie ignorierte die drängenden
Stimmen und ließ sich nicht zur Flucht überreden.
Schließlich gaben die anderen auf und ließen sie
zurück.
Lange Zeit stand sie noch dort und blickte auf das Drama der
Vernichtung ihrer Stadt. Sie bewegte sich nicht, auch nicht, als
die Flammen ihr Zimmer erreichten. Erst als sie in einem tosenden
Ring aus Flammen stand, konnte sie schreien.
aus: Die Schattenhüter
Chronik
Erstes Buch: Rha’herell
(c) by Monica Höfkes