Galeon hat eine Vision von dem Kampf, den er am Ende des Romans tatsächlich mit Advon führen wird


Galeon in:

Galeons Traum

von LaMaga


Advons Augen waren voller Entsetzen, weit aufgerissen und so blau, daß Galeon unvermittelt an den strahlenden Sommerhimmel denken mußte. Aber der Ritter war schmutzig, zerlumpt und Strähnen seines goldenen Haares klebten blutig und verfilzt auf seiner Stirn und an seinen Wangen. Einen Helm trug er nicht, aber sein Harnisch war verbeult, und an seinem linken Arm klaffte eine üble Wunde, so daß er kaum in der Lage war, sein Schwert richtig zu halten.
»Nein!«, rief Advon, und seine Stimme zitterte hysterisch, »nein! Du hattest nicht das Recht dazu!«
Ringsum war ein sonderbares, graues Wirbeln und Wogen, und dazwischen absolutes Nichts und Leere. Das Wirbeln und das Brausen dieses sonderbaren Sturmes heulte und jaulte wie vielstimmiges Gelächter, und gespenstisch hallte Advons Stimme im Nichts wie in einer unvorstellbar großen Halle.
»Geh aus dem Weg,« hörte Galeon sich sagen, »nur ich kann es vollenden!«
Advon hob unter Schmerzen das goldene Schwert. Es war schartig und an einigen Stellen war die Klinge abgesplittert. »Was willst du retten,« schrie der Abend-Mann, »was willst du retten, wenn alles fort ist!«
»Den Neubeginn,« antwortete Galeon beschwörend, »das Ende und den Anfang. Und uns alle!«
»Du warst unser Freund,« flüsterte Advon und holte anmutig mit seiner Waffe aus, »du warst doch auf unserer Seite!«
»Abendkind,« antwortete Galeon, und seine Stimme war sanft, »Abendkind - ich werde euch immer beschützen!«
Und er holte aus mit dem schwarzen Schwert der goala'ay und der erste Schlag schlug Advon das goldene Regenbogenschwert aus der Hand, der zweite traf den jungen Ritter vor die Brust und warf ihn nieder. Zitternd rappelte Advon sich auf und kam vor Galeon auf die Knie.
»Warum?,« wisperte der Ritter.
Galeon lächelte, und die Magie erfüllte ihn vollkommen, entsetzlich und doch so tröstend und gut.
Er schwang die Waffe und stieß zu, und die schwarze Klinge durchdrang Advons Brustpanzer wie einen Seidenschleier und drang bis zum Heft in seine Brust.
Kein Schmerz, nur Überraschung färbte Advons Augen zunächst strahlend golden, dann messingfarben und zuletzt trüb und blind. Ohne den Knauf des Schwertes loszulassen, neigte Galeon sich zu Advon vor und näherte sein Gesicht dem des Ritters.
»Ich beschütze dich,« wiederholte Galeon leise, und küßte die erstarrenden Lippen des Freundes, »nur so kann ich dich schützen!«
Das Brausen ringsum wurde zu einem lauten Kreischen und irren Gelächter, und dann gab es ein lautes Krachen und gleißendes Licht strahlte auf.

aus:Die Schattenherz-Chroniken
Viertes Buch: Silberdurft

(c) by Sandra Bloh


Kommentare und Diskussionen zu dieser Geschichte