Beide Traumszenen stammen
aus meinen Sammlungen von Kurzgeschichten zu Rollenspielen
(»Geschichten aus dem Gasthaus Zu den drei
Liebschaften« und »Glücksritter und
Schwertmagier«).
Wer das Gefühl hat, sich bei Kevron und seiner Sialagh
(einhornblütiges Pferd mit der Fähigkeit zur
telepathischen Kommunikation mit seinem "Erwählten")an die
Heralds erinnert zu fühlen - Asche auf mein Haupt,
ich schäme mich (ganz doll), ja, ich habe ein bißchen
bei den Heralds geklaut, als ich den Schwertmagierbund der Sarrin
"erfand". Nehmt's mir nicht allzu übel - ich war einfach zu
fasziniert davon.
Kevrons Traum ist im Grunde ein Alptraum - eine Erinnerung an die
Schlacht gegen eine Dämonenhorde, in der Kev seinen Geliebten
und Seelenbruder Tarelyon verlor (ja, noch eine Gemeinsamkeit zu
einem gewissen Herald - Kev ist bekennend vom anderen
Ufer).
Kevron in:
Kevrons Traum
von Kristina Siers
Die sanfte Stimme des Fremden
riß ihn aus seinen Gedanken. Er schloß die Augen
wieder... und wartete auf die Träume ...
Als das Horn erklang, preschten sie los, zehn Sarrin auf
ihren Sialagh an der Spitze des twyneddischen Heeres. Ausersehen,
gegen die Dämonen zu kämpfen. Dämons Bann,
die Klinge, die Virna ihm in der Nacht seiner ernennung anvertraut
hatte, schimmerte wie silbernes Feuer in Kevrons Hand, er hielt das
Schwert erhoben wie ein Banner. Die anderen folgten ihm, Tarelyon
trieb Tash an Yharys Seite.
»Zusammen, Kev... erinnere dich...«
Um sie herum brodelte es, tobte der Kampf, und Dämons Bann
biß immer wieder nach den Kreaturen, die sie umringten und
ihre klauenbewehrten Hände nach ihnen ausstreckten. der
Gestank nach ihrem schwarzen Blut raubte Kev den Atem und machte
Yhary beinahe wahnsinnig.
»Tar!« hallte Kevs Stimme über das Getümmel,
»Verdammt, bleib hinter mir! Und paß in Plenydds Namen
auf deinen Rücken auf!«
»Natürlich, Kev! Aber der ganze Spaß ist vor
deiner Nase!«
Dem Senden folgte ein leises Lachen, das Kev erschauern
ließ. Für ihn war es niemals ein Spiel gewesen. Für
Tar war es Spiel - und Satz - und - Sieg oder Verlust ...
Kev riskierte es, sich nach seinem geliebten umzusehen. Tar schlug
sich gut, er hatte sich auf die magie statt das Schwert berufen,
silberne Blitze schossen von seinen Händen, die Luft um ihn
herum flirrte, als er seinen Zauberschild hochzog. Und die ganze
Zeit war dieses Lachen in sein Gesicht geschrieben. Ein Lachen ...
voller Leben. Weit hinter Tar sah Kev Tevril und Yago und die
fünf anderen, ältere Schwertmagier, die weit mehr
Erfahrung hatten. Jetzt, viel zu spät, sah er, daß die Dämonen sie zu trennen
versuchten.
Yhary schrie, sie stieg auf die Hinterbeine und verteilt Tritte
nach allen Seiten. Ihr weißes Fell war von blutenden Striemen
überzogen. Tash sah nicht viel besser aus, doch auch er stieg
und keilte aus - und wo seine scharfen Hufe trafen, blieb nichts
mehr außer einer unerkenntlichen grauschwarzen
Masse.
»Kev, was für ein Wahnsinn!« Yharys Stimme in seinen Gedanken, atemlos und
alarmiert. »Ich weiß, Yhary, aber wir
müssen...«
Er parierte einen Klauenhieb und unterbrach das Senden. Yharys
Hufe begruben den Dämon unter sich. Kev rang nach Atem. Auch
er blutete aus vielen kleinen Wunden, scharf wie Nadelstiche, seine
Lungen brannten und alles in ihm schmerzte. Giftpfeile... Ihn
schwindelte.
»Kevron!«
»In Ordnung, Schöne... ich bin...«
ETWAS ließ ihn innehalten. Er wandte sich im Sattel
um und sah...
»Tar! Um der Götter willen, Tar! Paß auf!«
Er riß Yhary so heftig herum, daß sie schnaubte.
»Tar! Tash!«
Der Dämon hob seine seltsam geformte Hand... diee Klauen...
sie lösten sich aus seinem Fleischund flogen wie Pfeile, abgeschossen von einer Bogensehne, und
einer dieser Pfeile zielte... auf Tar...
»NEIN!« Kev hörte sich selbst schreien,a ls er
sich und Yhary zwischen den Dämon und Tar warf. Einen
Herzschlag später tobte rasender Schmerz in seiner Schulter,
er spürte, daß ihm die Sinne schwanden, und dennoch ...
er sah ...
Er sah die andere Kreatur, die wie ein Schatten hinter Tar
aufgetaucht war, sah das mächtige schwarze Schwert... und dann
Schmerz, nur noch Schmerz, der seine Seele zerriß, der sein
Innerstes zerbrach. Die schwarze Klinge durchbohrte Tars schlanken
Körper, der junge Sarrin fiel ...
Ein Schrei gellte über das Schlachtfeld. Zwei Stimme. Ein
Schrei. Kev spürte den Tod. Tars Tod... und er
begrüßte die Dunkelheit, in die er sank...
Zusammen... wenigstens sterben wir zuammen... Tar, ich folge dir,
warte auf mich, bitte... warte auf mich... dunkel... es ist dunkel
hier, so dunkel... Tar... wo bist du? Wo... bist...
du...?
Als er wieder zu sich kam, war das erste, was er spürte,
Leere, die so tief war, daß sie schmerzte wie eine Wunde.
Über sich sah er schemenhaft Virnas Gesicht schweben, und die
alte Frau strich ihm unendlich sanft das Haar aus dem Gesicht.
Tränen standen in ihren Augen.
»Kev... wenigstens dich habe ich noch...«
Kev achtete nicht auf ihre Worte. Er sah sie an.
»Tar...«, brachte er mühsam hervor, und zugleich
rief die Stimme seiner Gedanken nach ihm und fand ... nichts. das
Gefühl, das Wissen um seine Nähe ... fort.
»Nein ... nein, bitte ... nicht das, nicht
Tar...«
»Kev...« Virna nahm seine Hand und hielt sie fest.
Immer wieder strich sie ihm über das Haar. »Es tut mir
so leid, Kev...,« flüsterte sie tonlos.
Kev antwortete nicht. Langsam entzog er Virna seine Hand, drehte
sich zur Wand um, er rollte sich zusammen und vergrub das Gesicht
in den Decken. Er war so leer, daß er noch nicht einmal
weinen konnte. Und selbst Yharys Senden drang nicht durch die
Nebelschleier seiner Trauer. Da war nur diese eine Frage.
»Warum lebe ich...? Warum lebe ich noch?«
Und dann waren da plötzlich Arme, die ihn sanft hielten,
Hände, die über sein Gesicht strichen, die durch sein
Haar fuhren, und es war, als strichen sie den Schmerz fort.
Für einen winzigen Augenblick wehrte er sich, doch dann siegte
die Erschöpfung und die unendliche Sehnsucht nach einem Schlaf
ohne Träume, und er ließ sich tiefer in diese Arme
sinken, ergab sich den sanften Händen und ließ es zu,
daß sie die Träume vertrieben.
aus: Glücksritter und
Schwertmagier
(c) by Kristina Siers