Yalomiro hat Fieberträume, während er vor der Wahl steht, wie er mit dem magischen Talisman umgehen soll, um den sich die ganze Geschichte dreht
Yalomiro in:
Fieberträume, Teil Eins
von LaMaga
»Du gehörst mir,
Schattentänzer,« sagte die Königin, und in ihrer
Miene lag eine unbeschreibliche Mischung aus Verführung und
Haß. «Du gehörst mir, wie sie alle mir gehört
haben, und du wirst mir gehorchen.«
Yalomiro fühlte Panik und Verzweiflung in sich aufsteigen,
aber er war unfähig, sich zu bewegen.
«Ich werde Euch niemals gehören,« widersprach er
verängstigt. «Geht fort von mir! Ich kann Euer Begehren
nicht verstehen!«
Die Königin lachte ihr helles, perlendes Lachen, und er war
wie erstarrt.
Meister Gor kam auf ihn zu, das Mondstrahlamulett um den Hals,
einen Hammer und etwas Goldenes in der Hand, gekleidet wie ein
Schmied mit einer roten Schürze.
Yalomiro blickte ihm verwirrt entgegen, und namenlose Furcht
lähmte seinen Verstand.
»Ihr habt ein prächtiges Pferd,« sagte Meister
Gor, »laßt mich es beschlagen!«
Yalomiro blickte an sich hinab und erkannte, daß er sich in
der Form des Pferdes befand. Er konnte sich nicht daran erinnern,
diese gewählt zu haben, und er erschrak, als Meister Gor nach
ihm griff.
Die Königin kam hinzu und faßte mit beiden Händen
in die üppige schwarze Mähne des Schattenhengstes.
»Ein schönes Pferdchen, ein braves Tier,» sagte
sie in einem Ton, als spräche sie zu einem kleinen Kind.
»Nein!«, schrie er und wollte sich von ihr
losreißen.
Aber die Kräfte der Grauen Königin waren gewaltig, sie
riß den schwarzen Hengst bei der Mähne zu Boden und
drückte seinen Hals auf den spiegelglatten, kahlen
Erdboden.
»Laß dich beschlagen, Pferdchen,« spottete die
Königin und tätschelte sein Gesicht, »du
gehörst uns und wirst uns gehorchen!«
Yalomiro schlug und kickte um sich, und die scharfen Hufe des
Schattenhengstes hätten jedem, der ihm zu nahe kam, die
Knochen zerschlagen. Aber Meister Gor war gewandt, griff zu und
nagelte das erste goldene Eisen kalt und schmerzend fest.
Yalomiro stöhnte und versuchte, sich aufzurichten.
»Gnade,« flehte er und schämte sich, vor der
Königin Schwäche zu zeigen, »hört auf! Wenn
Ihr mich beschlagt, werde ich den Pferdekörper niemals
verlassen können!«
»Das sollst du auch nicht, Schattentänzer,« gab
Meister Gor zurück, und seine Hammerschläge klangen dumpf
und düster durch die Leere, »du wirst für ewige
Zeiten ein Pferd bleiben, unsterblich und unser Sklave. Du wirst
die Königin durch ihr neues Reich tragen, durch ein endloses
Reich ohne Grenzen. Und du wirst niemals zur Ruhe
kommen.«
Yalomiro wimmerte nur noch, als Meister Gor das vierte Hufeisen
befestigte. Dann ließ die Königin ihn los, und er
rappelte sich auf. Das Gold brannte an seinen Füßen, und
das Stehen wurde zu einer Qual.
Meister Gor nickte mit einem bösen Grinsen auf den Lippen und
holte aus dem Nichts Sattelzeug hervor, warf einen schweren Sattel
auf Yalomiros Rücken und preßte ihm mit einer raschen
Bewegung eine Trense ins Maul. Alle Metallteile des Sattelzeuges
waren aus Gold, und Agonie raste durch den Körper des
Pferdes.
Meister Gor hob die Königin in den Sattel, und die
Graugewandete hieb mit einem puppenhaften Lächeln auf den
Lippen Sporen aus Gold in die Rippen des Hengstes, und Yalomiro
rannte, von Schmerz und Schrecken getrieben.
»Lauf, Pferdchen, schneller!«, hörte er die Stimme
seiner Reiterin, »bring mich zu den Grenzen meines
Reiches!«
Wieder und wieder bohrte sich das Gold in das seidenschwarze Fell,
und Yalomiro rannte um sein Leben, mit dem Wissen, die seelenlose
Frau niemals abwerfen zu können. Hohl klang der Schlag seiner
Hufe auf dem toten Erdboden, begleitet nur vom perlenden
Gelächter der Königin, die begann, den Schattenhengst zu
Tode zu hetzen.
aus: Die
Schattenherz-Chroniken
Erstes Buch: Schattenherz
(c) by Sandra Bloh