Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

James N. Frey
Aus dem Amerikanischen von Ellen Schlootz und Jochen Stremmel
Emons Verlag, 1997
ISBN: 978-3924491321
200 Seiten
16,80 Euro (Hardcover)
9,99 Euro (Ebook [englisch])

Thema

Basishandwerk zum Schreiben eines spannenden Romans

Zielgruppe

Anfänger und Fortgeschrittene

Aufbau, Inhalt und Kritik

Auf 200 Seiten stellt der Autor die in seinen Augen wichtigsten Regeln dar, die man beachten sollte, wenn man einen »verdammt guten Roman« schreiben möchte. Er behandelt unter anderem Charakterbau, Konflikte, Erzählperspektive, Dialoge, wichtige Aspekte der Szenengestaltung und einiges mehr. Das Buch folgt dabei einem logischen inneren Aufbau, der bis zum Schluss gut durchgehalten wird.

Frey beginnt mit einem langen Kapitel über die Entwicklung von Charakteren. Bereits hier wird deutlich, wie das gesamte Buch aufgebaut ist. Frey definiert zunächst verschiedene Fachbegriffe und grenzt sie voneinander ab, bspw. das Konzept des flachen vs. abgerundeten Charakters. Er zeigt auf, welches dieser Konzepte man anstreben sollte, und erläutert verständlich die Vor- und Nachteile jedes Konzeptes. Ergänzt wird dies durch Beispiele, sowohl selbst kreierte, als auch durch Beispiele aus der klassischen Literatur. Dabei fällt auf, dass die selbst kreierten Beispiele manchmal etwas übertrieben wirken, sowohl wenn er zeigt, wie man es nicht machen soll, als auch wenn er vorführt, wie man es machen soll. Besonders gut fügen sich hingegen die Beispiele aus der klassischen Literatur ein. Sie sind gut gewählt und veranschaulichen die zuvor erklärte Theorie. Oftmals finden sich innerhalb der Beispiele auch erläuternde kurze Anmerkungen, sodass der Leser gleich auf wichtige Aspekte hingewiesen wird.

Frey bediente sich bei sehr berühmten Werken, u. a. bei le Carrés »Der Spion, der aus der Kälte kam«, bei Keseys »Einer flog über das Kuckucksnest« oder Hemingways »Der alte Mann und das Meer“. Im Laufe des gesamten Buches kehrt er immer wieder zu einzelnen Ausschnitten dieser Werke zurück, was es dem Leser, der sie schon kennt, leichter macht, die Theorie nachzuvollziehen. Wer die Werke noch nicht kennt, dürfte nach der Lektüre von Frey Lust darauf haben, sie auch noch zu lesen.

Ein weiterer interessanter Punkt sind die Hinweise, die Frey für die Praxis gibt. Er listet viele Fragen auf, die man als Autor für seine Charaktere beantworten können sollte, und schlägt u. a. vor, für jeden Charakter eine Biografie zu schreiben, um ihn besser kennen zu lernen. Nachdem die Charaktere fertig sind, werden sie im nächsten Schritt aufeinander losgelassen. Frey erklärt, warum eine Geschichte Konflikte braucht, wie sie sich entwickeln sollten und was man bei der Planung beachten sollte. Auch hier finden sich anschauliche Beispiele für gute und schlechte Konflikte.

In einem nächsten Schritt befasst sich Frey mit dem zentralen Konflikt und macht einen Exkurs über die verschiedenen Genres. An dieser Stelle wird der an sich klare Aufbau des Buches ein wenig aufgeweicht, und es werden Aspekte einbezogen, die nicht mehr einhundertprozentig zum Thema des Kapitels passen. Trotzdem sind es Aspekte, die beim Schreibprozess wichtig sind. Einen wichtigen Teil des Buches nimmt die Prämisse einer Geschichte ein. Für Frey ist sie so etwas wie die zentrale Botschaft eines Romans und leitet sich aus dem zentralen Konflikt ab. Er diskutiert die Frage, ob eine Geschichte ohne eine zentrale Botschaft auskommt und ob man diese auch einbringt, wenn man sie nicht geplant hat. Hierüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein, aber ich nehme aus dem Kapitel mit, dass es nicht verkehrt ist, sich Gedanken darüber zu machen, was man mit seiner Geschichte vermitteln möchte. Anhand der Prämisse stellt Frey weitere Regeln für die Konstruktion der Geschichte auf, gibt Tipps zur Erstellung eines Stufendiagramms, in welchem man seinen Plot festhalten kann, und teilt uns mit, wie ein guter Höhepunkt auszusehen hat.

Nachdem es nun Figuren gibt, die in einem Konflikt stehen, und sich daraus eine Handlung entwickelt hat, geht es jetzt ins Detail. Besonders hervorzuheben ist hier der Abschnitt über die verschiedenen Erzählperspektiven. Wer noch nicht wusste, was der Unterschied zwischen einem auktorialen und einem subjektiven Erzähler ist, findet in diesem Kapitel Antworten. Sehr gelungen finde ich dabei, dass Frey kurz zusammenfasst, wann welche Perspektive modern war und welche Vor- und Nachteile sie bietet. Ich selbst habe meinen Perspektivenstil erst durch zähes Lernen an Versuch und Irrtum gefunden, und hätte ich das Buch früher gekannt, wäre mir einiges davon sicher erspart geblieben.

Der Rest des Ratgebers befasst sich mit Details des Schreibhandwerks. Frey gibt uns u. A. Hinweise zum Verfassen von Dialogen und Szenen und macht uns mit der Verwendung von Rückblenden und Vorausdeutungen vertraut. Außerdem thematisiert er Schreibblockaden und Überarbeitungen. Bei seinen Dialogen fällt auf, dass sie auf Kosten von Natürlichkeit und Nähe zur eigenen Erfahrungswelt sehr geistreich sind. Und nicht jeder Leser mag Vorausdeutungen. Dafür war der Abschnitt über Rückblenden sehr informativ und sprach mir aus der Seele. Beim Überarbeiten wird der Bogen gespannt bis zum Anfang des Buches. Frey listet hier die wichtigsten Fragen auf, die man sich während dieses Prozesses stellen soll, und der aufmerksame Leser erkennt sie aus den vorher gelesenen Kapiteln wieder. Schade ist, dass das Buch mit dem Abschnitt über Schreibblockaden etwas abrupt endet. Ich hätte mir noch eine Zusammenfassung oder ein Fazit zum Schluss gewünscht, aber insgesamt finde ich es trotzdem rundum gelungen.

Fazit Für den Preis ist Freys Ratgeber ein Buch, das ich jedem Schreibanfänger gerne empfehlen möchte. Das Themengebiet ist klar umrissen, und der Ratgeber gibt einen guten Überblick über die wichtigsten Bereiche im Schreibprozess. Dabei ist er unterhaltsam und anschaulich geschrieben. Die Beispiele aus erfolgreicher Weltliteratur sind gut gewählt und passen hervorragend zu der jeweils behandelten Theorie. Da ich mir über die Jahre hinweg schon ein solides Grundwissen angeeignet habe, stand für mich persönlich nicht viel Neues drin. Dafür hatte ich sehr oft den Gedanken »Wenn ich das damals schon gewusst hätte.« Deshalb eine klare Empfehlung für Anfänger. Positiv zu bewerten ist auch der logische Aufbau des Buches. Die einzelnen Kapitel gehen nahtlos ineinander über, und insgesamt arbeitet sich Frey von großen Meilensteinen im Schreibprozess hin zu den kleinen, aber wichtigen Details beim Erzählen der eigenen Geschichte. Wer im Anschluss einzelne Bereiche noch vertiefen möchte, findet dazu sicher noch weitere Literatur.

Und damit komme ich zu einigen Kritikpunkten. Ich hätte mir ein runderes Ende gewünscht. Durch das Fortschreiten zu immer kleineren Details wird der anfangs logische und gute Aufbau des Buches etwas aufgeweicht. Deshalb hätte ein allumfassendes, kurzes Fazit gute Dienste getan. Außerdem vermisse ich eine Liste mit weiterführender Literatur. Da das Buch aber aus den 90ern stammt, vermag ich nicht zu beurteilen, ob es damals schon die Fülle an Schreibratgebern gab, die es heute gibt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich, dass Frey in allen Kapiteln durchgängig vor Stereotypen warnt. Die meisten Autoren werden die Ansicht teilen, dass Stereotype langweilig sind, aber oft hatte ich bei Freys Beispielen das Gefühl, dass sie zu andersartig, übertrieben weit weg vom Klischee waren, und dadurch verloren sie für mich an Natürlichkeit und wirkten teilweise etwas absurd. Deshalb ist es m. E. wichtig, dass auch ein Anfänger nicht alles unreflektiert so übernimmt, wie es im Buch steht, sondern vielleicht ein paar Dinge ausprobiert und am Ende einen Stil für sich findet, der auch zu ihm passt.

Die Rezension wurde verfasst von Cornelia Basara.